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Sisalernte
Muanza herausgestellt. An die Verwendung der im Zwischenseengebiet
vorhandenen zahlreichen Bevölkerung ist man aus Gründen, die im Be¬
denken gegen die Verwendung dieser Hochlandsvölker in der tropischen
Niederung liegen, bisher nicht herangegangen.
Es stehen zurzeit ungefähr 156000 Eingeborene im ständigen Dienst
der Europäer und landfremden Farbigen, also der Araber und Inder. Ein¬
geschlossen in diese Zahl sind die schwarzen Soldaten und die Karawanen¬
träger. Legen wir der Bevölkerung von Ostafrika die Zahl 7 1 / 2 Million
zugrunde, so geht daraus hervor, daß jeder fünfzigste Mensch in euro¬
päischem, indischem oder arabischem Dienst steht.
Nach wie vor spielt die Landwirtschaft im Rahmen der ostafrikanischen
Volkswirtschaft die hervorragendste Rolle. Neben ihr kommt die Forst¬
wirtschaft sowie die Bergwirtschaft erst in zweiter Linie in Betracht. In
bezug auf die europäischen Betriebe lassen sich in der Landwirtschaft
zwei Wirtschaftsformen unterscheiden, die Form der großkapitalistischen
Plantagenwirtschaft und die der Kleinsiedlungen. Während die erstere
mehr auf die Niederung beschränkt ist, sucht die letztere mit Vorliebe
die höheren Lagen auf, wo das Fehlen der Malaria und die geringere
Durchschnittstemperatur dem Siedler erlaubt, selbst mit Hand anzu¬
legen. Derartige kleinere Siedlungen sind neuerdings mehr und mehr in
West-Usambara, am Kilimandjaro und am Meru entstanden. Dieselben
Gebiete, die Anlaß zur Entstehung dieser Kleinsiedlungen gaben, wurden
nach ihren natürlichen Verhältnissen auch Anlaß zur Entstehung einer
europäisch betriebenen Vieh Wirtschaft.
Wenn immer wieder der Hoffnung Ausdruck gegeben worden ist, daß
Ostafrika einmal imstande sein würde, einen Menschenüberschuß Deutsch-
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