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Baumwollernte
lands als Auswanderungsgebiet aufzunehmen, so ist zu bedenken, daß
in Ostafrika die Verhältnisse insofern doch anders, als etwa in Kanada
oder früher in den Vereinigten Staaten von Nordamerika liegen, als hier
die Erfahrung bewiesen hat, daß ein Gedeihen der Ansiedler nur dann
in Betracht kommen kann, wenn sie ein Kapital hinter sich haben, das
das etwa für Kanada erforderliche doch um ein Bedeutendes übersteigt.
Wenn das Land in Ostafrika auch sehr billig ist, so ist für den Ansiedler
damit doch noch nichts gewonnen; denn seinen Wert erhält dieses Land
erst durch die Inkulturnahme, die aber erfordert ein nicht unbeträcht¬
liches Kapital.
Wie hoch das von Europäern in Deutsch-Ostafrika angelegte Kapital
ist, läßt sich nicht sagen. Eine neuere Statistik, die allerdings nur die
Gesellschaften umfaßt und diesen auch z. B. die Deutsche Ostafrika-Linie
zuzählt, beziffert das angelegte Kapital auf 107 Millionen Mark. Wie
hoch sich aber das sonst in wirtschaftlichen Anlagen investierte europäische
Kapital beläuft, läßt sich auch schätzungsweise nicht angeben.
1. Die europäischen land- und viehwirtschaftlichen
Unternehmungen.
Es wurde bereits gesagt, daß sich mit der Art der Kulturen eine natür¬
liche Scheidung zwischen dem kapitalistischen Plantagenwesen und den
Kleinsiedlungen ergeben hat. Die Kulturen, die die Plantagen betreiben,
erfordern im allgemeinen ein zu großes Kapital, als daß der Privatmann
mit Aussicht auf Erfolg an sie herangehen könnte. Allerdings treten diese
beiden Gegensätze in der Praxis nicht so scharf hervor, es finden sich
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