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Übergänge von einem zum andern. So wird Kaffee sowohl im Plantagen¬
betrieb als auch von den Ansiedlern gebaut, und dem Gummianbau haben
sich, ermutigt durch die guten Erfolge der Plantagenunternehmen, mit
mehr oder weniger großem Erfolg auch z. B. Ansiedler am Kilimandjaro
ergeben. Immerhin handelt es sich im wesentlichen doch um eine Frage
der natürlichen Bedingungen, und so hat die Plantagenwirtschaft sich auf
eine Reihe von Kulturen geworfen, die mit den Jahren von immer größer
werdender Bedeutung, insbesondere auch für die deutsche Volkswirtschaft
geworden ist. Es ist damit teilweise erreicht worden, was schließlich
Zweck und Ziel aller Kolonialwirtschaft sein muß, nämlich das Mutterland
unabhängig von der Lieferung durch das Ausland zu machen.
In erster Linie ist der Anbau der Sisalagave hier von Bedeutung. Wie
bereits erwähnt, gehen die ersten Anfänge dieser Kultur bis in die neun¬
ziger Jahre zurück, wo zuerst bei Pangani von der Deutsch-Ostafrikanischen
Gesellschaft Versuche mit dem Anbau dieser Pflanze gemacht wurden.
Die guten Ergebnisse dieser Versuche im Verein mit dem Anziehen der
Preise für Manilahanf, den der Sisal in erster Linie zu ersetzen bestimmt
ist, haben es bewirkt, daß heute in Deutsch-Ostafrika nahezu 25 000 ha
mit Sisalhanf bestellt sind, von denen 14 000 ha ertragsfähig sind. Der
Wert des ausgeführten Hanfes belief sich im Kalenderjahr 1913 auf
10,7 Millionen Mark. Sisal stand damit an erster Stelle unter sämtlichen
Ausfuhrprodukten Deutsch-Ostafrikas. Die Hauptanbaugebiete für Sisal
sind zurzeit Tanga, Pangani, Daressalam und Lindi. In neuerer Zeit
kommt auch das Gebiet um Muanza mehr und mehr als Lieferant hierfür
in Betracht.
Eine ähnlich bedeutende Rolle wie Sisal schien der Gummi zu spielen
berufen zu sein. Seitdem in den neunziger Jahren die ersten Versuche
mit Gummi gemacht wurden, ist die Gummiproduktion besonders unter
dem Einfluß der ungefähr 1906 beginnenden Preissteigerung von Kautschuk
ständig in die Höhe gegangen. Man hat in Ostafrika fast ausschließlich
Manihot gebaut, der gegenüber dem Hevea den Vorzug bot, bereits nach
zweiundeinhalb bis drei Jahren Erträge zu liefern. Im Jahre 1913 befänden
sich 45 000 ha unter Kultur, von denen über 17 000 ha ertragsfähig waren.
Der Wert des im Kalenderjahr 1907 ausgeführten Plantagenkautschuks
belief sich auf 7,2 Millionen Mark. Die Kautschukkultur hat durch das
enorme Sinken der Preise, verbunden mit den ständig höher werdenden
Gestehungskosten einen schweren, wohl kaum wieder verwindbaren Schlag
erlitten. Man zweifelt daran, ob die Kultur des Manihot für Ostafrika
jemals wieder rentabel werden wird. Im Kalenderjahr 1913 ist jeden¬
falls der Wert der Plantagenkautschuk-Ausfuhr um mehr als eine Million
Mark gesunken, trotzdem sie gewichtsgemäß um 20Proz. zugenommen hat.
Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat man in Ostafrika in ständig
steigendem Maße der Baumwollkultur die Aufmerksamkeit zugewandt.
Es war zuerst das kolonialwirtschaftliche Komitee, das im Interesse der
heimischen Industrie auf die Notwendigkeit des verstärkten Anbaues der
Baumwolle hinwies. Später hat sich die Regierung durch Bereitstellung
außerordentlicher Mittel zum Studium der Baumwollkulturversuche, durch
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