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Die Forstwirtschaft spielt im Privatbetrieb in Ostafrika nur eine ge¬
ringe Rolle, da planmäßige Anforstung eine zu lange Zeit bis zur Lieferung <.*
von Erträgen verlangt, als daß sie für den Privatmann in Betracht kommen
könnte. Das einzige Gebiet, in dem bereits auch von Privatleuten eine
Holzausnutzung stattfindet, ist Usambara. Der über 20000 ha große, in
der Hauptsache aus Zedern, Podocarpus und wilden Oliven bestehende
Schumewald, ebenso wie Ost-Usambara, liefern eine Reihe von Edel¬
hölzern, die in Deutschland in der Hauptsache für Luxusmöbel und in
der Bleistiftindustrie Verwendung finden. Der Wert der exportierten Edel-
und Nutzhölzer belief sich 1912 auf 146 000 Mark.
Eine größere Rolle zu spielen scheint die Viehzucht berufen zu sein,
die vorläufig allerdings auch nur in den Anfängen steckt. Das Gebiet,
das für europäische Viehwirtschaft in Betracht kommt, umfaßt in der
Hauptsache die von der Tsetse freien Gebiete um den Kilimandjaro und
den Meru. Es handelt sich für die Viehzucht in der Hauptsache darum, ein
Rind zu züchten, das den afrikanischen Verhältnissen gut angepaßt und
leistungsfähig ist, da das Rind der Eingeborenen bei nur geringem Ge¬
wicht und einem ganz minimalen Milchertrag für höhere Ansprüche nicht
in Betracht kommt. Nach der letzten Statistik befanden sich bereits
114 Vollblütrinder und ungefähr 8000 Kreuzungstiere neben 35 000 Ein¬
geborenenrindern im Besitz europäischer Viehhalter. Die Kleinviehwirt¬
schaft hat dagegen nur eine geringe Bedeutung. Im Bezirk Aruscha ist in
großem Umfange ein Versuch mit der Merinozucht gemacht worden, der
aber bisher noch nicht als abgeschlossen gelten kann. Ebenso ist auch
der Versuch der Straußenzucht bisher nicht als abgeschlossen anzusehen.
Immerhin läßt die Belegung von 104000 ha Weideland durch Europäer
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