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Gestüt in Neu-Hornow
darauf schließen, daß in den Kreisen der Farmer selbst nicht geringe
Hoffnungen auf die Viehwirtschaft gesetzt werden.
In der Kolonie besteht in West - Usambara ein Fleischverwertungs¬
unternehmen, das in erster Linie der Herstellung von Fleischkonserven dient.
2. Die Eingeborenenwirtschaft.
Die Landwirtschaft der Eingeborenen steht im allgemeinen auf einer
niedrigen Stufe. Abgesehen von einigen wenigen Produkten, unter
denen hier besonders die Erdnuß, die Kokosnuß und der Sesam genannt
seien, dient sie fast ausschließlich der Befriedigung des eigenen Bedürf¬
nisses. In neuerer Zeit ist es allerdings gelungen, die Eingeborenen auch
an Kulturen zu gewöhnen, die sie bisher entweder gar nicht oder doch
nur in verschwindend geringem Maße kannten. Im Bezirk Bukoba z. B.
wird jetzt bereits Kaffee in großen Mengen von den Eingeborenen für den
Export gebaut, im Bezirk Muanza und anderswo ist es gelungen, sie zur
Baumwollkultur zu veranlassen, am Nyassasee hat es die Berliner Mission
fertig gebracht, den Weizenbau bei den Eingeborenen einzuführen, und im
Süden des Schutzgebietes gewinnt mehr und mehr der Anbau von Öl¬
früchten an Bedeutung. Konservativ wie der Eingeborene ist, erfordert
es im allgemeinen allerdings eine lange Zeit und viel Mühe, ehe er sich
an neue Kulturen gewöhnt. Die Landwirtschaft der Eingeborenen ist von
Haus aus sehr unrationell; der Mann brennt ein Stück Busch nieder, um
auf dem auf diese Weise geklärten Boden seinen Maniok, seinen Mais,
seine Hirse usw. zu pflanzen. Ist der Boden ausgesogen, so rodet er
ein neues Stück, um das alte aufzugeben. Düngung ist nur bei sehr wenigen
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