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4. Wald und Wild.
Die Waldwirtschaft spielt, wie bereits erwähnt, bisher keine allzu be¬
deutende Rolle. Das Vorkommen guter exportfähiger Hölzer ist auf ver¬
hältnismäßig geringe Gebiete beschränkt, und wie schon gesagt, paßt die
Waldwirtschaft nicht in den Rahmen des durchschnittlichen europäischen
Privatunternehmens. Erwähnt sei hier nur die Ausnutzung der Mangroven-
bestände an der Küste, die von privaten Unternehmern zwecks Gewinnung
der Gerbstoffe liefernden Rinde ausgebeutet werden. Auf die Ausnutzung
der Zedern- und Podocarpusbestände in Usambara war bereits oben Be¬
zug genommen.
Die Verwaltung hat in richtiger Einschätzung des natürlichen und wirt¬
schaftlichen Wertes des Waldes durch Verordnungen und eigene Betätigung
der Waldverwüstung durch die Eingeborenen entgegengearbeitet, indem
sie unter anderem alle herrenlosen Waldkomplexe von Wert zu Reservaten
erklärt hat, in denen jede Nutzung verboten ist. Der Umfang dieser
Reservate, die ständig noch vermehrt werden, beträgt rund 800000 ha.
Das Wild ist in Ostafrika, wie neuere Untersuchungen festgestellt haben,
noch sehr zahlreich, so daß an ein Aussterben auch nur einzelner Arten
nicht zu denken ist. Allerdings ist früher seitens der Araber, sowie einzel¬
ner Eingeborenenstämme wie auch durch Europäer unter dem Großwild in
einer Weise gewüstet worden, die zweifellos zu einer Ausrottung geführt
haben würde, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen der Verwaltung dem
vorgebeugt hätten. In richtiger Erkenntnis der Tatsache, daß mindestens
einige Wildarten in der Zukunft von wirtschaftlicher Bedeutung werden
können, ist eine Reihe von Bestimmungen erlassen worden, die darauf hin¬
zielen, dem ungehinderten Abschlachten des Wildes Einhalt zu gebieten.
In einer großen Zahl sogenannter Wildreservate ist überhaupt jede
Jagd verboten.
Zurzeit hat der Wildbestand wirtschaftlich, was wenigstens die Ausfuhr
anbetrifft, keine allzu große Bedeutung. Wenn Anfang der neunziger
Jahre Elfenbein noch den Hauptexportartikel des Schutzgebietes bildete,
so hat der frühere wahllose Abschuß der Elefanten dafür gesorgt, daß
die hohen Ausfuhrziffern rapide zurückgegangen sind. Während z. B.
1890 noch für 4 1 / 2 Million Mark Elfenbein ausgeführt wurde, belief
sich die Höhe des Exports für 1913 auf nur 230 000 Mark. Und ähnlich
wie mit dem Elfenbein ist es mit Nashörnern gegangen. Nashörner wer¬
den vor allem nach Indien und China exportiert, wo aus den größeren
Schnitzereien angefertigt werden, während die kleineren in China zu
Medikamenten verwendet werden. Diese Ausfuhr beläuft sich zurzeit nur
auf wenige tausend Mark.
Die neueren Jagdgesetze haben bereits mancherorts eine Vermehrung
des Großwildstandes erzielt, und es ist zu hoffen, daß diese Verbesserung
sich später auch wieder einmal in der Ausfuhr geltend macht.
Immerhin hat der Wildbestand auch jetzt insofern eine nicht zu unter¬
schätzende Bedeutung, als er in steigendem Maße Jäger aus Europa an¬
zieht, deren Aufenthalt dem Schutzgebiet finanziell zugute kommt.
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