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5. Fischerei.
Die Fischerei hat in Ostafrika zurzeit noch keine größere Bedeutung,
obgleich die Seen und Flüsse ebenso wie die Küste reich an schmack¬
haften Fischen sind. Vorläufig findet eine Ausbeutung dieser Bestände
aber nur in einem sehr primitiven Verfahren durch die Eingeborenen statt,
denen der Fischbestand auch die Quelle eines recht lukrativen Handels
geworden ist. Von allen größeren Seen und Flüssen aus findet ein leb¬
hafter Handel mit getrockneten Fischen statt, der es aber trotz seiner
Größe bisher nicht hat erreichen können, daß Ostafrika auch in bezug auf
die Fischversorgung für die Eingeborenen vom Auslande unabhängig ge¬
worden ist. Noch jährlich werden große Mengen getrockneten Haifisches
sowie getrocknete Rochen von den Ländern des Persischen Meerbusens
eingeführt, die bis weit ins Innere gehandelt werden. Die ins Werk ge¬
leitete wissenschaftliche Untersuchung der ostafrikanischen Gewässer wird
hoffentlich auch eine regere Beteiligung europäischer Interessenten an der
Fischerei zur Folge haben.
6. Handel, Industrie und Gewerbe.
Der ausländische Handel Ostafrikas hatte lange Zeit unter der Supre¬
matie Sansibars zu leiden. Sansibar war der Umschlagplatz für den ge¬
samten von Europa und Indien kommenden und nach dort gehenden
Handel. Seit 20 Jahren hat Sansibar die Führung im ostafrikanischen
Handel mehr und mehr an Daressalam und Tanga einerseits und Mombassa
im Britisch Ostafrika andererseits abgeben müssen, und wenn auch seine
Rolle als Umschlagplatz noch nicht endgültig ausgespielt ist, so weist sein
Niedergang doch darauf hin, daß das nur noch eine Frage der Zeit sein
kann. Die Handelsbeziehungen Ostafrikas zu Indien haben darunter
allerdings nicht gelitten. Die zunehmende Industrialisierung Indiens und
das Vorhandensein zahlreicher indischer Großkaufleute und Kleinhändler
in Ostafrika bewirkt es, daß die gegenseitigen Handelsbeziehungen der
genannten Länder von Jahr, zu Jahr zunehmen. Indien exportiert nach
Ostafrika neben Baumwollstoffen vor allem die Artikel, die für den Ver¬
brauch durch Eingeborene berechnet sind. Der Handel mit Europa be¬
wältigt in erster Linie die sämtlichen Produkte Ostafrikas und im Aus¬
tausch dagegen alle die Artikel, die für die europäische Bevölkerung, so¬
wie die verkehrswirtschaftliche Entwicklung des Landes in Betracht
kommen. Daneben liefert Europa auch eine große Menge der billigen
Massenartikel, für die der Eingeborene mehr und mehr Käufer wird.
Der Handel Ostafrikas mit Südafrika und den übrigen Ländern da¬
gegen ist verhältnismäßig unbedeutend.
Der Güterabsatz innerhalb der Kolonie und der lokale Handel haben
sich in der Weise entwickelt, daß als Großhändler bzw. Importeur mit
Ausnahme einiger weniger großer indischer Firmen nur der Europäer in
Betracht kommt. Der Zwischenhandel, für den der Europäer aus Gründen,
die hier nicht näher zu erörtern sind, ausgeschaltet ist, ist die eigentliche
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