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Inderladen
Domäne der Inder und teilweise auch der Araber. Der Eingeborene kommt
als selbständiger Händler nur wenig zur Geltung, da ihm alle die Eigen¬
schaften abgehen, die für einen geordneten Handel notwendig sind. Er
ist vor allem viel zu wenig voraussehend, als daß er imstande wäre, die
Bedingungen für Angebot und Nachfrage zu erfassen, ganz abgesehen
davon, daß bisher die Formalbildung der Eingeborenen noch nicht dazu
ausreicht, hierin Wandel zu schaffen. Der Inder ist seinerseits gleichzeitig
Vermittler für den Aufkauf aller Landesprodukte. Der Handel zwischen
Inder und Eingeborenen geht auch heute noch fast ausschließlich in der
Form eines verschleierten Tauschhandels vor sich, und gerade in diesem
Umstand beruhen die Klagen, die in dem indischen Zwischenhandel eine
Auswucherung des Eingeborenen sehen.
Die Kaufkraft der Eingeborenen hat sich mit jedem Jahr gehoben,
wie aus der Einfuhrstatistik hervorgeht. Die vermehrte Gelegenheit zum
Gelderwerb, das Beispiel der Landsleute, die mit den Europäern bereits
näher in Berührung gekommen waren, all das hat bewirkt, daß die Produkte
Europas oder Indiens mehr und mehr im Austausch gegen die Landes¬
produkte auch Eingang in solche Gebiete gefunden haben, die bis vor
kurzer Zeit noch gänzlich unberührt waren, und in denen das Bargeld
überhaupt noch unbekannt war. Abgesehen von einigen ganz wenigen,
beschränkten Landesteilen gibt es heute in Deutsch-Ostafrika kein Gebiet,
in das nicht mit den indischen oder arabischen Händlern auch das Bargeld
eingezogen und an Stelle von Drahtringen, Kaurimuscheln oder Perlen
getreten ist. Mehr und mehr entwickelt sich so die ganze Wirtschaft zur
Geld Wirtschaft, und das Steigen der Löhne ist der beste Ausdruck dafür,
wie auch der Eingeborene allmählich die Konjunktur auszunutzen versteht.
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