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stehung dieser Unternehmen. Wo noch vor fünfzehn Jahren dichter wert¬
loser Busch war, da reiht sich jetzt eine Pflanzung an die andere, und
wie z. B. am Meru und Kilimandjaro hat der Gang der Ereignisse
bereits eine solche Entwicklung genommen, daß vielfach schon über Land¬
not geklagt wird.
Am spätesten wurde das Hinterland von Daressalam bis zum Tanga-
nyikasee hin erschlossen. Wenn auch im unmittelbaren Hinterland von
Daressalam die Bahn bereits ihre Wirkung in der Begründung zahlreicher
Pflanzungen geäußert hat, so liegen doch rechts und links des weiteren
Verlaufs der Eisenbahn umfangreiche Länderstrecken mehr oder weniger
brach, deren intensive Erschließung erst der Zukunft vorbehalten bleiben muß.
Nur ein größeres Pflanzungsgebiet hat sich in Ostafrika unabhängig
von dem Vorhandensein einer Eisenbahn entwickelt, nämlich das um
Lindi, wo die Nähe der Küste eine prompte Verschiffung der Plantagen¬
produkte ermöglichte.
Aber auch da, wo die Bahn keine Pflanzungsgründungen zur Folge
hatte, hat sie ihren bedeutenden Einfluß auf die gesamte Volkswirtschaft
insofern geltend gemacht, als sie zahlreiche Eingeborenenprodukte über¬
haupt erst marktfähig machte und die Eingeborenen in engeren Konnex
mit dem Europäertum brachte.
Im Jahre 1904 hatte Deutsch-Ostafrika nur 1437 europäische Ein¬
wohner, jetzt sind es nahezu 6000, und gerade die Tatsache, daß aus
einer Bevölkerung vom Schlage unserer ostafrikanischen, aus einem Lande
wie Deutsch-Ostafrika, nur etwas zu machen ist, so lange der Europäer
als Leiter und Führer, als Lehrer und Ansporner dient, läßt das An¬
wachsen der europäischen Bevölkerung in einem besonderen Licht er¬
scheinen und erwarten, daß die Entwicklung der letzten zehn Jahre nur
die Grundlage für eine organische Fortentwicklung ist.
Es hat ja in den letzten zehn Jahren nicht an Rückschlägen gefehlt.
Es wurde bereits erwähnt, wie mehr als einmal Kulturen, die sich bisher
als rentabel und aussichtsreich erwiesen hatten, aufgegeben werden mußten.
Im Lande selbst und in seiner Bevölkerung liegen so viele Hemmungen,
daß auch in der Zukunft sicherlich der eine oder andere Rückschlag nicht
ausbleiben wird. Es sei hier nur an die schwierige Arbeiterfrage erinnert,
die in steigendem Maße für das gesamte europäische Wirtschaftsleben zu
einer Kalamität zu werden droht. Auch Seuchen und Krankheiten, die
gerade in den letzten zehn Jahren — es sei nur an die Schlafkrankheit
erinnert — manche Landesteile wirtschaftlich auszuschalten drohten, wer¬
den in der Zukunft noch ihre Rolle spielen, soviel auch bereits zu ihrer
Ausmerzung mit Erfolg geschehen ist. Wenn wir aber den Entwicklungs¬
gang der letzten zehn Jahre, der unter durchaus nicht günstigen Auspizien
vor sich gegangen ist, bedenken, dann ist zu hoffen, daß die Zukunft,
die in mancher Beziehung sich doch auf viel günstigeren Grundlagen ent¬
wickeln kann, einen Ausbau des Bisherigen bringen wird, der der Ver¬
gangenheit nicht nachsteht.
Im übrigen sei bezüglich der Einzelheiten auf das im statistischen Teil
Angeführte verwiesen.
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