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Die große Geschlossenheit des afrikanischen Kontinents hat es
mit sich gebracht, daß weite Gebiete seines Inneren bis auf die
neueste Zeit unberührt von dem Einflüsse fremder, besonders euro¬
päischer Kultur geblieben sind; lange war dieser — vom Norden natür¬
lich abgesehen — auf einige Küstenstriche beschränkt. Der Mangel an
natürlichen Zufahrtsstraßen, die Unnahbarkeit des schwarzen Erd¬
teils, setzten seinem Vordringen bald ein Ziel, vor dem Beginn
der großen Kolonialbewegung gelang es im tropischen Afrika nur
den Arabern, bis in das Herz des Kontinents ihre Kaub- und
Handelszüge auszudehnen; aber die arabische Kultur konnte niemals
den zersetzenden Einfluß üben, wie es die billigen europäischen
Massenartikel tun. heute sehen wir selbst im Innersten Afrikas
das Leben der Völker durch die Einwirkungen fremder Kultur be¬
einflußt, wodurch bedauerlicherweise dem Forscher das Festftellen des
Urzustandes und der Eingeborenenkultur äußerst erschwert, ja in
vielen Fällen sogar unmöglich gemacht wird.
Mit welcher Schnelligkeit und wie eingreifend fremde Kultur
vordringt, sehen wir unter anderem daran, daß jetzt schon in ganz
Afrika aus Amerika eingeführte Kulturpflanzen wie Mais, Maniok
und Tabak Vorkommen. Letzteren finden wir sogar im tiefsten
Kongourwald hinter den Hütten der Eingeborenen.
viel Ursprüngliches hat die fremde Kultur wohl verwischt,
in auffälliger Meise unberührt geblieben aber von ihrem Einfluß ist
das afrikanische Handwerk dort, wo ich es kennen lernte, sodaß
ich zu meiner Genugtuung in der Lage bin, in nachstehenden Zeilen
und Bildern unverfälschte Lingeborenenarbeit vorführen zu können.
In anderen Gebieten dagegen haben arabische und europäische Ein¬
fuhr eine starke Umwälzung in der Ausübung des Handwerks her¬
vorgerufen, häufig sogar dieses völlig lahmgelegt. Dies gilt in
erster Linie von den Küstenländern, in denen billiger Import die
langwierige und mühselige Herstellung mit primitivem Handwerks¬
zeug nicht mehr lohnend macht.
Die Überschrift „Das afrikanische Handwerk" deckt sich nicht
ganz mit dem deutschen Sprachgebrauch, noch weniger mit der
schärferen Terminologie volkswirtschaftlicher Betrachtungsweise, wie
sie in der Abhandlung „Das afrikanische Gewerbe" von Heinrich
Schurtz im Anschluß an Karl Bücher durchgeführt ist. Nach dieser
wären die Töpferei und Flechtarbeit der Frauen zum weitaus
größten Teil als „hauswerk" zu bezeichnen, während die Tätigkeit