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Bild 1 der Schmiede unter den Begriff des „Lohnwerkes" fallen würde,
schmiede bei Mt Rücksicht daraus aber, daß das hauswerk der Zrauen
der Arbeit. Mädchen häufig intensiver betrieben wird, als es zur Be¬
friedigung des eigenen Bedarfes nötig ist, und der Überschuß auf
den Markt gebracht wird, und in Anbetracht dessen, daß wir bei
den Schmieden fast immer die Tätigkeiten des Lohnwerkes, Haus¬
werkes und Handwerkes in denselben Personen vereint finden,
wähle ich die Bezeichnung „Handwerk", zumal hier keine national¬
ökonomische Auseinandersetzung, sondern die einfache Schilderung
selbst beobachteter Arbeitsmethoden gegeben werden soll.
Dort, wo ich Gelegenheit hatte, meine Beobachtungen anzu¬
stellen, also an der Nord- und Nordwestgrenze Deutsch-Gstafrikas, ist
das Handwerk erblich. Auch finden wir nicht, abgesehen von den
gebräuchlichsten Gegenständen, wie Nochtöpfen, Schlafmatten und
Nörben, in jedem Dorf Handwerker, sondern die Eingeborenen
müssen oft tageweit marschieren, um ihren Bedarf einzuhandeln,
oder aber die Handwerker suchen die Dörfer auf, bieten dort ihre
Waren an und führen an Ort und Stelle Aufträge aus.
Am interessantesten ist fraglos die Eisentechnik. Wir müssen
hier zwei Tätigkeiten scharf unterscheiden, einmal die Gewinnung
des Nohmetalls aus seinen Erzen, die Verhüttung, und die weitere
Verarbeitung, das Schmiedehandwerk.
Die Eisenerze, die als Braun- oder Noteisenstein auftreten,
sind außerordentlich weit verbreitet und ihr Vorkommen ist den
Eingeborenen sehr wohl bekannt. In Mpororo werden von den
Wanjambomännern die Erze in etwa faustgroße Stücke geschlagen
und im Hochofenbetrieb ausgeschmolzen.
Das Verfahren, das fast in genau der gleichen Weise auch
von den Wageia und den Vakulia angewandt wird, ist folgendes:
Aus Lehm und Ton baut man einen runden, etwa 1.20 m hohen
Ofen, der abwechselnd mit einer Schicht Holzkohle und Eisenerz von
etwa faustgroßen Stücken gefüllt wird. Unten um den Ofen herum
befinden sich 12—18 Löcher, die zur Aufnahme der Blasebälge dienen.
Diese bestehen aus Ton- oder Lehmröhren mit einer schüsselförmigen
Erweiterung, um welche der Luftzugerzeuger, ein weiches Ziegenfell,
gebunden ist. An diesem ist in der Mitte ein Stock befestigt. Ab-
Bild 2 bildung 2 zeigt uns von links nach rechts die einzelnen Bestandteile
den vier eintzs Blasebalges, nämlich die Düse, Ziegenfell und Tonröhren; da-
t/ndieÄel- noch einiges Handwerkszeug. Je zwei dieser Blasebälge
nen Bestand werden von einer Person in der Weise bedient, daß die Stöcke in
teile eines schneller taktmäßiger Bewegung auf und nieder gestoßen werden.
' Blasebalges. Es ist eine zweitägige angestrengte Tätigkeit erforderlich, bis sie
das Eisen ausgeschmolzen haben. Natürlich arbeiten die Leute mit
Bild 3 Ablösung; an dem einen Ofen, den ich in der Nähe des Sultans
Hochofen in Nissilerobo beobachtete, war das ganze Dorf: Männer, Weiber und
beÄsultan Kinder — aber nur wanjambo — tätig.
ltissilerobo. Ist das Eisen gewonnen, so wird der Ofen auseinanderge¬
rissen und das am Boden liegende Metall — in der Regel nicht
mehr wie 2—3 faustgroße Stücke — herausgenommen, häufig sind die
Eisenschmelzer und die Schmiede dieselben Leute, doch kommt es in
besonders erzreichen Gegenden, z. V. in den westlichen Randbergen