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Das Ende des Drahtes, das etwa 10 cm aus dem Locheisen
hervorragt, wird in eine der auf Bild 6 sichtbaren Klammern ge¬
steckt in der Weise, daß mit der Ahle die Klammer etwas ausein¬
andergebogen und dann zum Festhalten des Drahtes ein spiral¬
förmig gewundenes Stück Bandeisen fest darüber geschlagen wird.
Zu Knfang der Arbeit wird die in der Mitte des Bildes 7 sicht¬
bare große Klammer gewählt, im weiteren Verlauf die kleineren.
Zur Erhöhung des Widerstandes streut der Schmied noch Zand da¬
zwischen. Jetzt wird das Locheisen hinter eine kräftige Holzgabel,
Bild 8 die in den Boden gegraben ist, geklemmt, und die Tätigkeit des
Drahtzieher Drahtziehens beginnt. (Ziehe Bild 8).
bei derKrbeit. Die eiserne Klammer wird, um besser zufassen zu können, mit
Bast oder Stroh umwickelt. Ruckweise anziehend schreitet der
Drahtzieher langsam rückwärts. Einer der Schmiede hat sorgfältig
darauf zu achten, daß der Draht glatt durch das Locheisen läuft
und daß kein Schmutz mitgenommen wird, weil er sonst leicht reißt.
Troß großer Vorsicht kommt bei dem ruckweisen Anziehen ein Zer¬
reißen häufig vor, dann muß die Arbeit von neuem begonnen
werden.
Nach jedesmaligem Durchziehen wird das Loch, wie vorstehend
beschrieben, verengt, der Draht durch Hämmern zugespitzt und wieder¬
um durch das Locheisen geführt. Nach jedem vierten Durchziehen
etwa wird der Draht geglüht.
Wie außerordentlich mühsam und zeitraubend die Arbeit des
Drahtziehens ist — man bedenke das wiederholte Reißen — kann
man daraus ersehen, daß ein mehr als 200 maliges Ziehen er¬
forderlich ist, um einen Draht von 5 mw Durchmesser auf 1 mm
zu bringen. Letzterer ist aber noch zu stark für die fein gesponnenen,
aus Kuhschwanz- oder Ziegenhaaren hergestellten Arm- und Bein¬
ringe, er muß zu diesem Zweck noch feiner gezogen werden. Hierzu
ist nicht mehr das vorstehend geschilderte Verfahren erforderlich,
sondern ein einfacheres. Die Holzgabel fällt fort, der Schmied hält
Bild 9 das eine Drahtende mit der Klammer fest und zieht mit der anderen
Drahtzieher. Hand das Locheisen über den Draht hinweg, (siehe Bild 9) also umge¬
kehrt wie bisher. Häufig teilen sich in diese Tätigkeit zwei Schmiede.
Ich wende mich jetzt zur Holzindustrie. Beginnen wir mit
der Herstellung des bei den lvahima infolge ihres Viehreichtums
Bild 10 unentbehrlichen Milchgefäßes. Auf dem sehr vielseitigen Gebiet
der Holzbearbeitung finden wir nur Spezialisten. So ist der Hand¬
werker auf dem Bild 10 nur in der Lage, Milchgefäße anzufertigen.
Für die anderen Holzarbeiten wie Köcher, Pfeile, Vogen und Löffel,
finden wir besondere Künstler.
Die Milchgefäße werden in der Regel aus dem weichen Holz
des Ficusbaumes gemacht. Wir finden verschiedene Formen, teils
mit rundem, teils mit flachem Boden, teils mit engem, teils mit
weitem Hals. Die in Mpororo gebräuchlichste ist die auf Bild 10
sichtbare, während in Ruanda die längliche vorherrscht.
Der Handwerker schlägt zuerst mit einem Handbeil aus dem
Ficusbaum einen Klotz in der rohen Form und Größe des Herzu¬
siellenden Milchgefäßes heraus. Diesen stellt er vor sich in eine
flache Grube, umfaßt ihn mit der linken Hand und schlägt mit