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am Schaft sitzt — und stößt sie mit kräftigem Schwünge in das Holz.
Durch Rütteln und Drehen lockert er die Klinge, die sich fest ein¬
gebohrt hat, zieht sie heraus und beseitigt die Splitter. So setzt
er die Arbeit des Aushöhlens fort bis ungefähr zur Mitte des
Holzes, dann dreht er dasselbe um und verfährt in derselben weise,
bis es völlig ausgehöhlt ist.
Da es nicht möglich ist, durch die Stöße des Hohlklingenbeils
die Innenwände gleichmäßig abzurunden, so hilft er jetzt noch mit
der Raspel, wie bereits beim Milchgefäß beschrieben, nach. Ist
dies geschehen, so wird das nur roh behauene Holz außen mit dem
Handbeil bearbeitet, bis es gleichmäßig rund ist und die erforder¬
liche Dicke hat. hierbei schlägt der Mann mit leichten hieben in
der Längsrichtung vom Holze lange, dünne Splitter. Die Arbeit
wird nach ein- bis zweitägiger Pause, die zum Austrockenen des
Holzes dient, fortgesetzt.
Das mit dem Handbeil beschlagene Holz besitzt wohl die ge¬
wünschte Dicke, aber noch nicht die genügende Glätte. Diese wird
erzeugt durch Behobeln mit dem Messer, das der Arbeiter mit beiden
Händen ergreift und unten ansetzend aus sich zu bewegt. Das Holz
liegt hierbei aus seinem linken Oberschenkel.
Die nächste Tätigkeit besteht darin, die beiden Enden für die
Deckel zu beschneiden. Das Holz wird zur Aufnahme der Deckel
um etwa V 2 orn verjüngt. Alsdann wird der ganze Köcher feucht
abgerieben und mit zerstampfter Holzkohle geschwärzt, die mit Hilfe
von Speichel aufgetragen wird. Darauf beginnt die Verzierung
des Köchers durch recht geschmackvolle Schnitzarbeit. Die gebräuch¬
lichsten Ornamente sind Rhomben und Dreiecke, die an beiden Enden
unterbrochen werden durch je fünf schmale Ringe, die wiederum
kleine Dreiecksornamente zeigen. Ist die Farbe gut eingetrocknet,
so werden zuerst die Muster mit einem scharfen Messer in feinen
Linien vorgezeichnet und sodann, wie bei unserer Kerbschnitzerei,
ausgeschnitten, sodaß die schwarzen Teile stehen bleiben. Besondere
Sorgfalt erfordert auch die zwischen den schwarzen Rhomben sicht¬
bare feine Strichschnitzerei.
Mit zur Holztechnik zählen darf man wohl den Bootsbau,
Bild über den ich nachstehend einige Worte sagen will. Wir haben zwei
13,14 u. 15 verschiedene typische Bootsformen zu unterscheiden: Einmal das
kunstvolle, schnell rudernde, leichte Waganda- und Waheiaboot,
Bild siehe Bild 13, und dann den sowohl für Stangen- als auch für
15au. 15b Ruderbetrieb bestimmten Einbaum, siehe Bilder 15a, 15b, an dessen
Stelle auch häufig bei dürftigem Baumbestand zwei durch Ouer-
Bild 16 Hölzer eng verbundene Bäume treten. Siehe Bild 16.
Die Ruderboote des Viktoriasees, die wir auf den Bildern
13 bis 15 sehen, werden in folgender Weise hergestellt:
Ein junger Baumstamm wird halb ausgehöhlt, teilweise mit
der Axt, teilweise ausgebrannt, sodaß also noch ein genügend starkes,
massives Rundholz übrig bleibt. Dieses ragt vorn etwa 1 m her¬
aus und bildet gewissermaßen den Kiel des Fahrzeuges. Das
kräftige Rundholz ist einmal erforderlich, um dem Boot eine ge¬
nügende Stabilität zu geben, zweitens aber auch, um das etwaige
Anlandziehen auf die Dauer auszuhalten. Auf diesen Kiel werden