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zwei Bretter aufgesetzt. Die Planken werden aus starken Bäumen,
die in Uganda sehr zahlreich sind, in Kisiba leider nicht, ausgehauen,
denn sägen können die Leute nicht. Bei dieser Art der Herstellung
geht natürlich viel Holz verloren.
Lind die Bretter in recht mühseliger Arbeit mit einer verhält¬
nismäßig sehr kleinen Axt glattgeschlagen, so werden sie in die
Lonne gesetzt und derart in pflöcke geklemmt, daß das Holz beim
Austrocknen gleich die für die Vootsform erforderliche Biegung er¬
hält. hierauf werden die Bretter in höchst eigenartiger Meise auf
dem Kiel befestigt: man näht sie auf, denn anders ist es kaum
zu nennen. Mit einem glühenden Eisen werden Löcher eingebrannt
und dann mit der Murzelfaser einer Ztrauchart, die die wasuaheli
„Mtunguu" die Maheia „Mtunguru" nennen, an dem Kiel befestigt.
Bei der ganzen Herstellung des Bootes verwenden sie keine Eisenteile.
hierauf werden in die Bretter, dort wo man die Sitzbänke
(bestehend aus armdicken Rundhölzern) einfügen will, halbkreis¬
förmige Einschnitte gemacht und in diese mit einer Einfräsung die
Rundhölzer eingepaßt, sodaß die runden Köpfe dieser Hölzer etwas
über die äußere Bordwand hinausragen und dem ganzen Boote
Festigkeit geben.
Jede Sitzbank, soweit sie Ruderbank ist, dient für zwei Mann.
Die Hintere Bank für den Steuermann ist schmal und gewährt nur
Raum für diesen. An der Spitze befindet sich auch noch eine Sitz-
bank, die wegen der Verjüngung des Bootes auch nur einen Mann
ausnehmen kann. Sie ragt durch beide Seitenwände des Bootes
etwa je ' 2 m hindurch und dient mit diesen Verlängerungen als
Handgriff beim Heraufziehen des Bootes ans Land. Auf die beiden
unteren Bretter werden zwei weitere Planken, die an ihrer unteren
Kante entsprechende Ausschnitte für die Ruderbänke haben müssen,
ausgenäht. Dort, wo die Bretter hinten und vorn Zusammenstößen,
wird ein keilförmiges Holzstück eingesetzt und in gleicher Meise
befestigt.
Auf die einen Meter vorragende Spitze des unteren Holz¬
stabes wird zur Verzierung ein etwa zwei Meter langer Schnabel
aufgesetzt, mittels Ruten befestigt, vorn im rechten Minkel
umgebogen und besonders bei Sultansbooten, hübsch geschmückt
mit einem Antilopengehörn oder auch mit Bastbüscheln und häufig
noch mit einer Schnur, die von der Spitze des Schnabels bis zur
Bootswand führt und an der sich Vastgeslecht oder Kaurimuscheln
befinden.
Dort, wo die Boote genäht sind, wird noch zur Abdichtung
ein schmaler holzstreifen aufgesetzt. Trotzdem sind sie absolut nicht
dicht, um so weniger als sie beim Nichtgebrauch ans Land gezogen
werden und den heißen Sonnenstrahlen ausgesetzt sind; daher mutz
bei der Fahrt andauernd ein Mann mit einem eigens dazu herge¬
richteten hölzernen Schöpfgerät das Masser entfernen.
Nachstehend gebe ich noch die Maße eines solchen Bootes.
Die Länge des eigentlichen Kanoes ohne den vorn angesetzten Schnabel
beträgt 11 m, die Länge des Ansatzes 2 m, die Gesamthöhe 80 am,
die größte Breite in der Mitte gemessen l.20 m. Die Ruder, die,
aus einem Stück gearbeitet, einen runden kräftigen Stiel mit herz¬
förmigem Blatt zeigen, sind 1.30 m lang.