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Erheblich einfacher ist die Herstellung der Einbäume.
Kn Handwerkszeug hierzu erforderlich sind gewöhnliche Äxte,
das schon bei der Herstellung der Kocher erwähnte Breitbeil und
Bild 17 ein kräftiges Hohlklingenbeil. Um Mißverständnissen vorzubeugen,
Herstellung bemerke ich noch, daß das zur Bearbeitung auf dem Bilde 17 aus-
bhaumes" 9 ^ 29 ^ Holzstück etwa nicht der Stärke eines Einbaumes entspricht
— es gab in dieser Gegend an der Kagera keine stärkeren Bäume
— sondern nur die Art der Verarbeitung veranschaulichen soll.
Die Vootsbauer suchen sich oft stundenweit vom Wasser ent¬
fernt einen geeigneten Baum aus, fällen ihn und behauen ihn gleich
an Drt und Stelle. Das Herrichten der äußeren Form geschieht mit
gewöhnlichen Beilen, das Aushöhlen mit dem Hohlklingenbeil, das
Glätten der Innen- und Außenwände meist noch mit dem bekannten
Vreitbeil.
Ist der Einbaum nahezu fertig, so wird er zur Wasserstelle
gebracht; bei größeren benutzt man oft zu diesem Zweck unterge¬
legte Bundhölzer, hier stellt es sich dann häufig heraus, daß er
ungleich behauen ist und schief im Wasser liegt, sodaß durch weiteres
Beschlagen die Gleichgewichtslage hergestellt werden muß.
Die Größe der Einbäume richtet sich ganz nach dem Baum¬
bestand. Während wir in Kifumbiro an der Kagera wegen der
Nähe des Budduwaldes sehr stattliche Einbäume finden, in denen
man sogar Maultiere und Esel übersetzen kann, werden sie die
Kagera aufwärts infolge des dürftigen Akazienbestandes klein, und
müssen, um überhaupt noch als Fahrzeuge Verwendung finden zu
können, zu weit miteinander verbunden werden. Auch dann tragen
sie nicht mehr wie vier Mann. In Ruanda, besonders auf dem
Kiwusee, finden wir wieder stärkere Einbäume. Auf der Kagera
werden sie fast nur durch Stangen vorwärts bewegt, auf dem Kiwu-
see hingegen wegen der großen Wassertiefe gerudert.
Da die Fahrzeuge, wenn sie nicht im Gebrauch sind, meist an
das Land gezogen werden, und hier ungeschützt den heißen Sonnen¬
strahlen ausgesetzt sind, so entstehen bald Bisse, die mit Lehm ver¬
schmiert und mit Bindenstoff oder Bast verstopft werden. Ganz
dichten lassen sich diese Bisse nie, sodaß ein ständiges Busfchöpfen
erforderlich ist. hierzu dienen entweder besondere Holzgefäße oder
Binderhörner. Zur vollständigen Ausrüstung eines Bootes gehören
infolgedessen nicht nur die Stangen und Buder, sondern auch das
Material zum Abdichten und Ausschöpfen.
Bild Diese beiden Bilder (18 und 19) veranschaulichen uns die An-
18 u. 19 fertigung von Pfeilen, soweit es sich um Fertigstellung des hölzernen
Herstellen pfeilscha^es und das Aufsetzen der eisernen Spitze handelt. Letztere
vonpsei en. wirch wie bereits beschrieben, von den Schmieden gearbeitet. Die
Pfeilmacher verfahren wie folgt:
Es werden von einem Strauche gut gewachsene, gerade Zweige
geschnitten. Nachdem die Binde entfernt ist, werden sie mit einem
sichelförmigen Messer wie auf Bild 18 ganz glatt geschabt. Der
Arbeiter hockt auf dem Boden, die beim Neger beliebteste Körper¬
haltung, in der er eigentlich so ziemlich alles verrichtet, mit der
linken Hand hält er den Schaft, den er, das Spitzenende nach unten,
vor sich gestellt hat, und während die Rechte das Messer führt, dreht