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die Linke langsam das Holz. Jedoch das Abschaben mit dem Messer
genügt ihm noch nicht, sondern er schleift jetzt noch mit den ge¬
trockneten, rauhen Blättern eines Zicusbaumes den Schaft ab. hier¬
durch wird er glatt und weiß.
Dann schneidet er mit einem gewöhnlichen kleinen Messer die
Kerbe für die Sehne. Als Unterlage dient, wie bei dem Zurichten
der Fiederung, ein Ninderhorn, dessen Rundung an der Stelle, auf
der er arbeitet, glatt geschabt ist und das er bei der Arbeit mit der
Spitze zwischen seine Füße Klemmt.
Zur Befiederung dienen in erster Linie die Zedern eines Aas¬
geiers, doch genügen auch in Ermangelung dieser die von anderen
größeren Vögeln. Aus einer Zeder werden im Durchschnitt vier
Stücke gearbeitet. Von dem Schafte trennt er mit den Zingern,
von oben nach unten reißend, eine Hälfte ab und schneidet aus ihr
zwei Stücke von der zur Herstellung der Befiederung erforderlichen
Größe. Diese werden aus dem Horn, nachdem er das Mark mit
einer Nadel entfernt hat, wie folgt bearbeitet: Das Zederstück wird
so aufgelegt, daß die Zahne nach oben zeigt, mit dem Daumen der
linken Hand gehalten und in der Längsrichtung beschnitten, dann
flach hingelegt, um die Ziederung auf etwa 2 em Breite mit einem
kleinen scharfen Messer zu verkürzen.
Alsdann beginnt das Befestigen der drei Zedern am Schafte,
und zwar werden sie aufgebunden mit dünnen Zäden, die durch
Breitklopfen einer Tiersehne hergestellt sind und erst tüchtig gekaut
werden, um sie geschmeidiger zu machen.
Das Anlegen der Befiederung erfordert viel Gewandtheit und
Übung. Die Hände genügen hierzu nicht, der Arbeiter muß beim
Binden auch die Zähne zu Hilfe nehmen, mit denen er den Zaden
hält und anzieht. Etwa lO cm vom Sehneneinschnitt entfernt
schlingt er einige Windungen dicht nebeneinander fest um den
Schaft, legt dann die erste Zeder auf, die er umwickelt, dreht das
Holz, fügt die zweite hinzu, umwickelt sie gleichfalls und dann die
dritte. Bei der Bindearbeit dreht er mit der linken Hand den
Schaft, die rechte teilt mit dem Stachel eines Stachelschweines oder
mit einem zugespitzten Holzstäbchen die Ziederung jedesmal sorgsam
auseinander, mit den Zähnen zieht er den Zaden an. Das Ende
des Zadens steckt er zwischen Pfeilschaft und Zederschaft, hierauf
werden die zwischen der Ziederung gelegenen Stellen mit einem
gummiartigen harz, das vorher durchgekaut wird, verstrichen. Da¬
durch entsteht eine lackartige Schicht, welche die Zäden verdeckt und
gleichzeitig noch zur besseren Haltbarkeit beiträgt.
Das vordere Schaftende wird jetzt etwas angespitzt, das Loch
zur Aufnahme der Pfeilspitze hineingebohrt und diese selbst im Holz
befestigt, das gegen Platzen noch durch Umwickeln mittels eines
Sehnenfadens geschützt wird. Besonders sorgfältig geschieht dies
dicht überhalb der Sehnenkerbe, auch wird die Stelle mit der
Gummimasse verstrichen, da hier ja beim scharfen Anziehen der
Sehne die Gefahr des Platzens noch größer ist.
Jetzt prüft der Handwerker den Schaft, ob er auch völlig
gerade ist, und beseitigt etwaige geringe Krümmungen durch Biegen
mit der Hand, nachdem er das Holz erwärmt hat. Jetzt endlich ist