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einem kleinen messerartigen Instrument das Aushöhlen, zuerst des
Pfeifenkopfes, dann des Röhrenansatzes. Das Innere wird mit
dem Eisen- oder Holzspatel geglättet. Die Pfeife ist jetzt soweit
fertig, daß sie gebrannt werden kann. Dieses muß sehr sorgfältig
geschehen. Sie wird zu diesem Zweck anfangs nur in die Nähe des
Feuers gebracht, dann füllt man sie mit glühenden Kohlenstücken,
und erst nach diesen Vorbereitungen erfolgt das starke Brennen, das
etwa V 2 Stunde dauert. Ist es beendet, so wird die pfeife mit
Gras abgerieben und kann jetzt in den Handel gelangen.
Die Flechtarbeiten, zu deren Schilderung ich jetzt komme,
werden, soweit -es sich um die erforderlichen Hausgeräte handelt, in
jeder Familie von den Frauen und Mädchen ausgeführt. Kunst¬
vollere Flechtarbeiten hingegen, wie gemusterte Matten, die aus
feinen Gräsern geflochtenen Deckel und wasserdichten Körbe, werden
nur von den Frauen der vornehmen, den Töchtern und Sklavinnen
angefertigt. Die Herstellung besonders kunstvoller Matten wird auch
von Männern gewerbsmäßig besorgt z. V. in Karagwe, Ankole und
Uganda. Bild 26 und 27. Im allgemeinen ist aber die Flecht¬
arbeit zum hauswerk und nicht zum Handwerk zu zählen.
Um meisten verbreitet ist das Flechten von Körben in allen
Größen und Formen, die in keinem Haushalt fehlen. Die Art ihrer
Herstellung ist eine sehr einfache, sodaß sich sogar die kleinen
Mädchen damit beschäftigen. Bild 28 und 29. Man windet die
Flechten spiralförmig um dünne Einlagen aus Gras und Schilf,
hierbei wird jede Flechte vom unteren Rande einer der bienenkorb¬
artigen Windungen zum unteren Rande der nächst höheren geführt
und mit Hilfe einer gewöhnlichen Nadel durch das entsprechende
Loch gesteckt. Bild 30. Diese Nadel dient übrigens noch zu einer
zweiten Funktion, nämlich zum Entfernen der hier recht häufig auf¬
tretenden Landslöhe.
Das Mattenflechten geschieht in folgender Weise: Besonders
sorgfältig ausgesuchtes breithalmiges Gras oder Schilf wird ge¬
säubert und gebleicht. Aus diesem werden in naturfarbenem Zu¬
stande oder auch durch Einfügen von schwarz oder rot gefärbten
Gräsern lange Streifen geflochten. Die Art der Ausführung dieser
Flechtarbeit dürfte man aus dem Bilde klar ersehen. Sind die
schmalen Streifen fertiggestellt, so werden sie zu einer Matte zu¬
sammengeflochten oder auch genäht. Dies geschieht in der Längs¬
richtung der Matte, zwölf bis fünfzehn derartige Streifen sind hierzu
erforderlich; oder auch häufig in der Ejuerrichtung, dann sind natür¬
lich erheblich mehr Streifen aneinander zu fügen. Zur Erhöhung
der Haltbarkeit werden die Ränder der Matten noch mit einem
Streifen eingefaßt.
Eine interessante Flechtarbeit ist die Herstellung des Gras¬
schurzes. Langhalmiges Gras oder Fasern der Raphiapalme, die
beide in der Nähe der Kagera sich häufig vorfinden, werden ge¬
trocknet, gesäubert, in der Sonne gebleicht und dann in der aus den
Bildern 3l und 32 ersichtlichen Weise verarbeitet:
Es wird aus Gras eine Schnur gedreht oder auch an Stelle
der Grasschnur zwei schmale Streifen Papprus- oder Raphiabast ge¬
nommen. Die Schnur wird um die beiden großen Zehen, die zum
Bild
26 u. 27
Matten¬
flechter bei
der Krbeit.
Bild
28 u. 29
Bild 30
Bild
3l u. 32