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Ein entscheidender Schritt.
Das Jahresfest am 24. Mai 1893 bedeutete für die Leip¬
ziger Mission einen entscheidenden Wendepunkt ihrer Geschichte.
An diesem Tage standen vor dem Altar der alten, ehrwürdigen
Nikolaikirche in Leipzig die vier Missionare Allhaus, Müller,
Fahmann und Böhme, um nach Deutsch-Ostafrika abgeord¬
net zu werden. Eine zahlreiche Gemeinde aus allen lutheri¬
schen Kreisen Deutschlands und dem Ausland wohnte be¬
wegten Herzens der Abordnung bei, die der Vorsitzende
des Missionskollegiums, Professor v. Luthardt, vollzog,
indem er den jungen Glaubensbolen das Wort aus Apostel-
gesch. 22, 21 mit auf den Weg gab: „Gehe hin, denn ich
will dich ferne unter die Heiden senden!" Mit dieser Aus¬
sendung erfüllte sich ein seit langem gehegter Wunsch vieler
Freunde. Als Deutschland in den achtziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts überseeische Kolonien erwarb, ergab sich damit
die ernste Frage, ob es nicht Pflicht der deutschen Missions-
gesellschasten sei, vor allem den Heiden in den eigenen Schutz¬
gebieten das Evangelium zu bringen, nach dem Worte
des Apostels Paulus: „So jemand seine Hausgenossen nicht
versorgt, der ist ärger als ein Heide." In Ostafrika lockten die
Spuren eines Krapf und Rebmann, eines Livingstone und
Mackay. Schon in den nächsten Jahren begannen dann die
Bielefelder, die Berliner und die Brüdermission mit der ost¬
afrikanischen Arbeit. Unsere Mission konnte sich lange nicht
entschließen, den gleichen Weg zu gehen, zwar hatte man
schon im Jahre 1882 die Frage erwogen, aber die hohen Kosten
und die Erfahrungen anderer Gesellschaften, die gleichzeitig
auf mehreren großen Gebieten arbeiten, schreckten zurück. Auch