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glaubte man, es sei Gottes Wille, daß Leipzig, nachdem es
1860 die Jndianermission hatte aufgeben müssen, seine gesamte
Kraft ausschließlich der Tamulenmission in Südindien zuwende.
Aber in der letzten Zeit halten sich die Stimmen gemehrt, die
für die Übernahme eines ostafrikanischen Arbeitsfeldes eintraten,
und als im Jahre 1892 die Englische Kirchenmission sich durch
politische Schwierigkeiten genötigt sah, ihre Station Moschi am
Kilimandjaro abzugeben, erblickte die Generalversammlung
darin einen deutlichen Fingerzeig und beschloß, in Gottes
Namen und im Vertrauen auf die tatkräftige Hilfe der alten,
treubewährten Freundeskreise in Ostafrika mit der Arbeit ein¬
zusehen. Es war eine große Ermutigung für die Missions-
leitung, daß dieser Beschluß allenthalben in ihrem Freundes¬
kreise freudige Zustimmung fand, und ihre Hoffnung, daß die
neue Aufgabe neue Lust zum Geben wecken würde, trog nicht,
so daß schon nach drei Jahren von einer Steigerung der jähr¬
lichen Einnahmen um 50000 Mark berichtet werden konnte.
Nach Afrika!
Das Reiseziel für unsere jungen Brüder war Moschi am
Kilimandjaro. Dort halten im Jahre 1885 die Sendboten der
Englischen Kirchenmission eine Station gegründet. Als aber
etliche Jahre später Deutschland und England sich über die
Grenzen ihrer ostafrikanischen Kolonien einigten und der Kili¬
mandjaro an Deutschland siel, erhob sich Meli, der Häuptling
von Moschi, gegen die deutsche Regierung. Es kam zu einem
Gefecht in den Schluchten und Hängen nahe dem Regierungs-
plah, in dem die kleine deutsche Schuhtruppe geschlagen wurde
und ihr Führer, der Hauptmann von Bülow, sein Leben ein¬
büßte. Die englischen Missionare, denen man mit Unrecht
vorwarf, sie hätten die Eingebornen aufgewiegelt und ihnen
sogar Gewehre geliefert, verließen das Land und siedelten sich
jenseits der Grenze bei Taveta an. Ihr Eigentum aber über¬
gaben sie der Leipziger Mission.
Sehr verheißungsvoll waren also die Aussichten für unsere
Brüder nicht. Aber getrosten Mutes machten sie sich auf den
Weg, den ihnen der Herr gewiesen hatte. In Neapel trafen