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sie mit dem indischen Missionar Päsler, der zum Leiter der
Expedition bestimmt war und nach Beendigung der grund¬
legenden Arbeiten zurückkehren sollte, zusammen, und am
8. Juni lichtete der deutsche Dampfer „Bundesrat" die Anker
zur Fahrt nach Afrika. Nicht ganz ohne Störung ging die Reise
vor sich. Ein Maschinenschaden, der sich nach glücklich über-
standener Fahrt durch das Mittelländische und Rote Meer im
Indischen Ozean ereignete, brachte eine erhebliche Verzögerung
mit sich, und als man endlich mit einem Umweg über Dares¬
salam und Sansibar die englische Hafenstadt Mombasa erreicht
hatte, traf die unliebsame Nachricht ein, daß der Häuptling
Meli noch immer nicht an Unterwerfung denke und der Krieg
gegen ihn daher fortgesetzt werden müsse. Schließlich aber war
auch dies Hindernis beseitigt, und nun konnte der Marsch ins
Innere angetreten werden. Damals war das Reisen in Afrika
noch nicht so bequem wie heute, wo die 352 Kilometer lange
Strecke von der deutschen Hafenstadt Tanga nach Neu-Moschi
mit derUsambarabahn in 15 Stunden zurückgelegt werden kann.
Auch die jetzt von der Küste bis zum Viktoriasee führende eng¬
lische Ugandabahn bestand noch nicht. So muhte denn der
ganze Weg zu Fuß gemacht werden. Eine ungeheure An¬
strengung. 17 Tage lang halten unsere Reisenden in der tro¬
pischen Hitze der äquatorialen Landschaft durch Busch und
Steppe zu wandern. Und was für eine Ausrüstung gehört
zu solch einem Marsch! Zelte, Koffer und Kisten, Wasser¬
behälter, Waffen, alles, was eine längere Reise durch die Wildnis
abseits von allen menschlichen Wohnungen erfordert, nimmt
auch heute der Reisende auf eine Expedition mit. Damals aber
war noch vieles andere nötig, denn es galt ja eine umfang¬
reiche Missionsniederlassung anzulegen, und ein Nachsenden
wäre nur mit großem Zeitverlust und Schwierigkeiten möglich
gewesen. Und da die Lasten alle auf dem Kopf getragen werden
müssen und jede Trägerlast ungefähr einen halben Zentner
wiegt, so brauchten die fünf Missionare nicht weniger als
175 eingeborene Träger. Wer einmal eine Reise durch Jnner-
afrika gemacht hat, weiß, daß es keine Kleinigkeit ist, bei solchem
Marsch die Leute einigermaßen zusammenzuhallen. Die Kräf¬
tigeren eilen voraus, die Langsameren bleiben zurück, und vor