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Berges Zuflucht gesucht haben soll. Sie gelten als reich und
mächtig, und es werden manche Geschichten davon erzählt, wie
sie Bedürftige beschenkt oder ihnen sonst geholfen haben.
Wenn die Sonne auf den Schneefeldern des Kibo leuchtet,
dann ist es, als hafte noch ein Schimmer der ersten Liebe
daran, mit der dieser Berg einst umworben ist. Als Missionar
Rebmann am 11. Mai 1848 den Kilimandjaro entdeckte, las
er tief ergriffen den 111. Psalm und vor seinen Augen stieg
eine große Zukunft auf. Er sah die Völker dieses Berges
unter dem Zepter des Königs Christus und ihre Vertreter auf
den Missionsfesten in Jerusalem. Waren das nur Phantasien
eines Sanguinikers oder waren es prophetische Blicke eines
Mannes Gottes, der auf Evangelistenpfaden wandelt?
Das Volk der Dschagga.
In den Bananenhainen des Kilimandjaro wohnt das
Negervolk der Dschagga. Der Name stammt von den Suaheli,
den Küstenleuten. Sie selbst nennen sich wandu wa mnden,
d. h. „Leute, die in den Pflanzungen wohnen". Die Vorge¬
schichte des Volkes ist noch wenig erforscht. Erst die Unter¬
suchung des früheren Leipziger Missionars Schanz haben
einiges Licht darüber verbreitet. Das Volk hat nicht immer
am Kilimandjaro gewohnt, es ist eingewandert, und zwar kam
ein Teil aus der Steppe, ein anderer vom Urwald. Noch jetzt
leben im Volke Erinnerungen an einstige, wahrscheinlich in
größeren Zwischenräumen erfolgende Wanderzüge, die vor
etwa 200 Jahren ihre Vorfahren ins Land gebracht haben.
Dort trafen sie auf eine Urbevölkerung, die gewiß mit den
Wateita, Wakamba, Waschamba und Wapare verwandt war.
Es wird dabei kriegerische Zusammenstöße gegeben haben, bei
denen manche Geschlechter der Vernichtung preisgegeben wurden,
anderseits kam es aber auch zu engerer Verbindung und Blut¬
mischung und damit zu einem Ausgleich der ursprünglichen
Stammesverschiedenheiten. Die gemeinsamen Opferftätten der
Sippen sind die ersten Wohnstätten der Urahnen. Staaten-
gründungen geschahen anscheinend erst mit der Einwanderung
der Wakilindi, eines Halbarabischen Herrschergeschlechts aus
Usambara, aus das die Häuptlingssippen am Kilimandjaro