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ihre Abstammung zurückführen. Der Grundstock der Bevöl¬
kerung besteht jedenfalls aus Bantus, jedoch mit einem starken
Zusatz von hamitischem und semitischem Blut.
Heute zerfällt das Volk in 31 größere oder kleinere Häupt-
lingschaften mit zusammen 96834 Einwohnern, die in 28050
Hütten wohnen. Da die bewohnte Grundfläche 800 Quadrat¬
kilometer beträgt, so ergibt sich ungefähr die gleiche Bevöl¬
kerungsdichtigkeit wie in Deutschland. Die Zunahme ist ver¬
hältnismäßig gering. Auf 52 414 Männer und Frauen kommen
nur 44420 Kinder, also noch nicht zwei Kinder auf je zwei Er¬
wachsene. Es liegt dies zum Teil an der Vielweiberei, die immer
Kinderarmut zur Folge hat, zum Teil an der großen Kinder¬
sterblichkeit. Sterben doch nach sorgfältigen Zählungen von
100 neugeborenen Kindern 70 bis 80 schon im frühesten Alter.
Die Dschagga leben in monarchischer Verfassung unter
Häuptlingen, von denen die bedeutendsten Nongoma, Orombo,
Renguo und Nindi oder Mandara waren. In der äußeren
Lebenshaltung unterscheidet sich der Fürst kaum von seinem
Volke, aber an Ansehen und Macht steht er hoch über seinen
Untertanen. Er ist der oberste Priester und Richter zugleich.
Das ganze Land, alle Leute und ihr Besitz sind eigentlich nur
sein persönliches Eigentum, über das er verfügen kann. Unbe¬
dingter Gehorsam gegen den Häuptling ist eine selbstverständ¬
liche Pflicht für jedermann. Und wenn auch die Herrschaft
der Häuptlinge oft roh, grausam und willkürlich war, so hängt
doch das Volk an dieser Einrichtung so, daß es im Sprich¬
wort sagt: „Sollten wir des Häuptlings entbehren, so wollten
wir lieber auf das Trinkwasser verzichten." Er ist seinen Leuten
der Hort der Gerechtigkeit, der Bewahrer des Glaubens, der
Führer im Kampf. Sein Grabmal gilt als die sicherste Zuflucht
für einen dem Tode verfallenen Menschen.
Ackerbau und Viehzucht sind die Hauptbeschäftigung der
Dschagga. Und sie leisten darin für afrikanische Verhältnisse
etwas recht Tüchtiges. Sie kennen Düngung, Stallsütterung,
Brachwirtschaft und Feldbewässerung. Geradezu bewunderns¬
wert ist die Art, wie sie die Bäche im Gürtelwald des Berges
abfangen, durch Steinwehren stauen und dann durch Kanäle
aus die Felder leiten. Ihre Geräte sind freilich äußerst ein-