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fach. Die Felder werden statt mit dem Pflug mit der kleinen
kurzstieligen Negerhacke bearbeitet. Das wichtigste Produkt
ist dieBanane. Das ganzeLand ist ein einziger großer Bananen¬
garten. Daneben werden hauptsächlich Bohnen gepflanzt,
außerdem Jams, Kolokasie, Mais, Zuckerrohr und Tabak.
Eine große Rolle spielt das Mbeke, eine minderwertige Getreide¬
art, aus der ihr Lieblingsgetränk, das wari, gewonnen wird,
ein ziemlich harmloses Bier, das aber berauschend wirkt, wenn
es, wie das gewöhnlich geschieht, in großen Mengen vertilgt
wird. An Haustieren hält der Dschagga Rinder, Schafe, Ziegen
und Hühner, letztere jedoch nur für den Verkauf, denn er selbst
ißt weder Huhn noch Ei. Die Arbeit ist nach einer bestimmten
herkömmlichen Ordnung zwischen den Männern und Frauen
verteilt. Dabei liegt aber, obwohl die Männer im allgemeinen
nicht so träge sind wie in anderen Negerstämmen, die Haupt¬
last auf den Schultern der Mau. Damit hängt die Vielweiberei
zusammen. Der Besitz von mehreren Frauen sichert dem
Manne Ansehen und Wohlstand. Die sehr kunstvoll gebauten
Hütten bestehen aus einem Geflecht von Stangen, die mit
Schlingpflanzen verbunden werden. Sie sind mit Steppen¬
gras oder Bananenrinde eingedeckt. In den östlichen Land¬
schaften laufen die Hütten ohssn spitz zu, während sie im Westen
mehr die Form eines Bienenkorbs haben.
Die Dschagga sind ein schöner/kräftiger Menschenschlag
mit einer Hautfarbe, die vom tiefsten Schwarz durch alle Schat¬
tierungen des Braun bis in Gelb hinüberspielt. Durch bestän¬
dige körperliche Übungen haben sie sich von jeher für den Krieg
tüchtig gemacht. Tapferkeit ist ihnen die höchste Tugend des
Mannes. In zahlreichen Fehden mit den räuberischen Masai,
denen sie die Waffen und Kriegsgebräuche nachmachten, und
mit anderen unruhigen Nachbarn haben sie ihre kriegerischen
Fähigkeiten ausgebildet und selbst im Kampfe gegen die deutsche
Schuhtruppe erwiesen sie sich als nicht zu unterschätzende Gegner.
Auch ihre geistige Begabung ist nicht gering, wie der große
Reichtum an Sprichwörtern, Rätseln, Erzählungen, Sagen und
Märchen zeigt, der allmählich von unseren Missionaren fest-
gestellt wird. Sprichwörter wie die: „Das Fallen der Männer
ist nur ein Knien" oder „Wer noch keine Not erfahren hat, der