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ist noch kein Mensch" verraten nicht nur Lebensklugheil, sondern
auch ein tieferes sittliches Empfinden. Eine erste größere Samm¬
lung von einheimischen Erzählungen aller Art hat Missionar
Gutmann in seinem „Volksbuch der Wadschagga" veranstaltet.
Die Religion.
Eine größere zusammenfassende Darstellung der religiösen
Anschauungen der Dschagga besitzen wir noch nicht. Wohl
aber haben unsere Missionare manchen lehrreichen Beitrag zu
diesem Kapitel geliefert, so daß wir mit den wesentlichsten Zügen
vertraut sind. Und einen wertvollen Einblick gibt uns die um¬
fangreiche Schrift des schwarzen Lehrers Johane über „die
Religion der Landschaft Moschi", die von Missionar Raum
überseht und von Professor vr. Wünsch im Archiv für Religions¬
wissenschaft veröffentlicht wurde. Allem Anschein nach sind
die religiösen Vorstellungen, wie sie sich gegenwärtig bei den
Dschagga finden, der Rest einer ursprünglichen höheren Welt¬
anschauung. Unserem Missionar Gutmann ist bei alten Leuten
die merkwürdige Rede begegnet: „Was die Weißen lehren,
das ist das, was bei unfern Vätern war und nun wiederkehrt."
Liegt darin nicht eine dunkle Ahnung von der ursprünglichen
Wahrheit, die dem Volke verloren gegangen ist? Manche An¬
zeichen deuten darauf, daß ihre Religion früher Gottes-
glaube gewesen ist. Der Gottesbegriff ist auch heute noch
bei ihnen vorhanden, freilich in sehr abgeblaßter Form. Alle
ihre Aussagen von Gott sind außerordentlich unbestimmt.
Es sind „Gottesahnungen und Gottessagen, die sich in jedes
Mund verändern". Wie der Name Gottes „Ruva" oder
„Jruva" zugleich der der Sonne ist, so fließen auch die
Vorstellungen von Gott und der Sonne vielfach ineinander.
Auf der einen Seite sagen sie: Gott ist der Schöpfer der Menschen
und der Ewige, der nicht stirbt. Er wohnt an einem Orte,
wo er nicht gesehen wird. Er ist der Mächtige, der Sonne und
Regen sendet, die Kranken gesund macht, die Menschen beschützt
und ihrem Leben die Grenzen seht. Man betet zu ihm mor¬
gens und abends: „Mein Häuptling, bringe mich durch diesen
Tag! Gott, mein Häuptling, beschere mir eine gute Nacht!"
Dann aber heißt es wieder: „Wenn große Kälte kommt, sagen