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Anfänge der Misfionsarbeit.
Das ist das Volk, an dem unsere Missionare jetzt arbeiten
sollten. Missionsarbeit ist Geduldsarbeit und besonders dann,
wenn es sich um Anfänge handelt. Das mußten auch sie er¬
fahren. Das Wort, das l). Luthardt ihnen bei der Abordnung
milgegeben hatte: „Wir lassen euch nicht gehen mit fliegenden
Hoffnungen — es ist Geduldsarbeit. Wir rechnen nicht aus
rasche Erfolge — es ist Gründungsarbeit", hat ihnen die
ersten schwierigen Jahre hindurch zur Richtschnur und zur
Stärkung dienen müssen. Bei den Eingebornen fanden sie
zunächst nicht viel Entgegenkommen. Man glaubte ihnen nicht,
daß sie aus Liebe ohne eigennützige Absicht gekommen seien.
Vielleicht habe der Hunger sie aus Europa vertrieben. „Was
sucht ihr eigentlich hier?", diese Frage stand mehr oder weniger
deutlich auf allen Gesichtern geschrieben. Das war um so ver¬
wunderlicher, als der Boden in mannigfacher Hinsicht bereitet
schien. Merkwürdige Weissagungen erfüllten das Land, schon
ehe die ersten Missionare eintrafen. Ein Eingeborner in
Moschi, Msengeli,der „Wahrträumer", hatte das Kommen von
Leuten aus weiter unbekannter Ferne vorausgesagt, die das
Land einnehmen, die Wege öffnen und Frieden bringen würden.
In den östlichen Landschaften wollte man eine Glocke am
Himmel gehört haben, die eine große Zeit einläutete, und im
Westen wurden Stimmen laut, daß weiße Männer als Retter
kommen würden. Rindi, der mächtige Häuptling von Moschi,
hatte schon 1878 durch einen Araber Beziehungen zu der eng¬
lischen Mission in Freretown angeknüpft und den ersten Send¬
boten sein Land geöffnet, allerdings, wie sich später heraus-
stellte aus Gründen der Habsucht. Aber die englischen Missio¬
nare hatten verhältnismäßig rasch Eingang in dem noch freien
Dschaggalande gefunden. Wie kam es also, daß unseren Brüdern
die Arbeit anfangs so erschwert wurde? Der Grund ist in den
unruhigen politischen Verhältnissen zu suchen, die auch nach
der Festigung der deutschen Herrschaft am Kilimandjaro noch
Jahre hindurch anhielten. Kriegsgeschrei erfüllte noch lange
die Luft. Das kriegerische Volk der Dschagga bewunderte die