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Männer der Waffen und sah auf die Boten des Friedens gering¬
schätzig herab: „Die Offiziere sind Männer, denn sie gehen in
den Krieg und verschaffen uns Rinder. Aber die Lehrer sind
Weiber, denn was bringen sie uns!" Und besonders beim weib¬
lichen Geschlechts, das hier auf einer lieferen Stufe steht, dauerte
es lange, bis die Scheu vor dem Europäer überwunden wurde.
Wegen der unruhigen Zeilen zogen unsere Missionare es
vor, nicht in Moschi, sondern weiter westlich in der Landschaft
Madschame sich niederzulassen. Am 6. Oktober 1893 wurde
hier aus dem Platz Nkarungo die Kreuzesfahne aufgerichtet
und so fester Fuß am Berge gefaßt. Damit erfüllte sich,
was Rebmann 44 Jahre vorher, als er, seiner Habe be¬
raubt und am Leben bedroht, das Land verlassen mußte,
schrieb: „Wenn des Herrn Stunde gekommen ist, so wird kein
König mehr den eindringenden Missionar aufhalten können."
Diese Stunde war jetzt gekommen, wenn auch die Dschagga
es noch nicht erkannten.
Ausdehnung der Arbeit.
Allmählich wurden die Anfangsschwierigkeiten überwunden.
Und so konnte bereits im Jahre nach der Grundlegung in Mad¬
schame an eine Ausdehnung des Werkes gedacht werden. Sollte
der Kilimandjaro wirklich ein fruchtbares Arbeitsfeld unserer
Mission werden, so mußte mit seiner Besetzung rasch vorge¬
gangen werden. Dazu nötigte schon der Wettbewerb der
katholischen Mission, die 1891 die Landschaft Kiboscho und zwei
Jahre später auch die Landschaft Kilema durch Väter der Kon¬
gregation vom Heiligen Geist beseht hatte. Dadurch war uns
zwar die Besetzung eines größeren zusammenhängenden Ge¬
bietes unmöglich gemacht, aber es blieb doch soviel Raum,
wie für eine gesunde Entwicklung der evangelischen Arbeit
nötig war. Althaus gründete deshalb 1894 die Station Mamba,
die dann zum Ausgangspunkte für die Arbeit in dem 1V? Stunden
weiter nach Osten gelegenen Mwika mit seinem Hinterlande
wurde. Und als das Jahr 1895 den ersten Zuzug neuer Kräfte
brachte, konnte zwischen die zwei katholischen Niederlassungen