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Heidenpredigt.
Unter den Mitteln, die Heiden für Christus zu ge¬
winnen, steht die Predigt obenan, das heißt die Verkündigung
des Heiligungswillens Gottes und seines Heilsratschlusses.
„Predigt das Evangelium aller Kreatur!", damit ist die Auf¬
gabe der Mission in die kürzeste Form gekleidet. Dement¬
sprechend empfahl die Amtsanweisung, die unseren ersten
Missionaren gegeben wurde, „möglichst bald die Eingeborenen
zu biblischen Besprechungen und gottesdienstlichen Versamm¬
lungen herbeizurufen und sie durch anschauliche Darstellung
der biblischen Geschichte mit den Hauptwahrheiten des Christen¬
tums bekannt zu machen." Das ist ja auch das Bild, das man
sich vom Missionar macht: wie er mit der Bibel in der Hand
den Heiden, die in Finsternis der Sünde und Unwissenheit
versunken sind, den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt. Bei
dem Dschaggavolke ergaben sich hier aber große Schwierig¬
keiten. Die Männer waren in größeren Mengen nur anzu¬
treffen, wenn sie sich zu Beratungen und Prozessen, zu Bier¬
gelagen und sonstigen Festlichkeiten auf dem Häuptlingsgehöft
einfanden, die Frauen trafen sich auf dem Markte. Das waren
aber keine Plätze, wo man auf williges Gehör rechnen durfte.
Man war deshalb in der ersten Zeit darauf angewiesen, die
Kinder zu unterrichten und die Arbeiter, die auf die Stationen
kamen, in christlichem Sinne zu beeinflussen. Man richtete für
sie Morgen- und Abendandachten ein und sie nahmen an ihnen
wie an den sonntäglichen Gottesdiensten freiwillig teil. Kinder
und Arbeiter waren also die ersten Predigthörer. Dann kamen
deren Verwandte, Freunde und Bekannte und ihnen schlossen
sich die Leute aus der Nachbarschaft der Station an. Als die
ersten Glocken aus Europa eintrafen und ihr Geläut durch die
Bananenhaine ertönte, rief die Neugier viele herbei und manche
haben so tiefe Eindrücke mitgenommen, daß sie wiederkehrten
und zuletzt nicht mehr sortkonnten. Man hat oft gemeint, der
sicherste und erfolgreichste Weg zu den Herzen der Dschagga
sei der, die Häuptlinge zu gewinnen. Aber hier zeigte es sich,
daß es für einen Reichen schwer ist, in das Himmelreich zu kom¬
men. Diese Häuptlinge waren schon durch ihre Stellung mit