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Licht und vor allem den großen Dampfer der Deutschen Ost¬
afrikalinie, eine ganze schwimmende Stadt. War das nicht
wie ein Spaziergang in eine andere Welt?
„Wenn du das alles siehst", schreibt einer der Schüler, „so
gerätst du in Erstaunen darüber, daß Gott den Menschen so
großen Verstand gegeben hat."
Es ist eine reizvolle Aufgabe, in einem aufstrebenden,
begabten Naturvolke die schlummernden Geistes- und Seelen¬
kräfte zu wecken.
Erziehung zur Arbeit.
Die Aufgabe der Mission liegt aber nicht nur im Bereiche
des Geistigen und Sittlichen, sondern auch auf praktischem Ge¬
biet. Es wäre für das Christentum kein Gewinn, wenn die
übertretenden Heiden nichts weiter würden als eifrige Kirch¬
gänger. Die Mission will Christen im vollen Sinne erziehen,
und Christen nehmen es ernst mit der Arbeit, weil sie den wahren
sittlichen Wert und den göttlichen Segen der Arbeit kennen.
Der oft gehörte Vorwurf: „Der Neger ist faul" mag nicht ganz
unbegründet sein. Nach europäischen Begriffen ist allerdings
die Arbeitsfreudigkeit des Negers nur gering. Das hat allerlei
Ursachen. Was er zum Leben nötig hat, wächst ihm im tro¬
pischen Überfluß ohne viel Mühe zu. Und ein Ansammeln von
Vorräten ist nicht sehr ratsam, weil diese zahlreichen Feinden
aus dem Tierreich ausgeseht sind. Körperliche Arbeit gilt
außerdem von den Zeiten der Sklaverei her als Sache der
Armen und Gedrückten. Vielleicht ist auch das animistische
Denken, das zu einer untätigen Ergebung in ein höheres Geschick
verleitet, mit schuld. Von den Dschagga kann man im allge¬
meinen nicht sagen, daß sie faul sind. Sie haben einen Ehren¬
gruß für den Arbeitenden. In ihren Sprichwörtern und Märchen
wird der Faule verspottet, der Fleißige aber belohnt. Und
der Stand ihrer Felder und Kanäle zeugt von Tüchtigkeit und
ausdauerndem Fleiß bei Tag und Nacht. Aber freilich darf
man auch hier nicht mit europäischen Maßstäben messen.
Wie kann der Afrikaner zu größerer Arbeitsleistung gebracht
werden? Manche glauben in einem gesetzlich eingeführten