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Arbeitszwang ein Allheilmittel gesunden zu haben. Allein
jede Arbeit hat erst dann Wert, wenn sie freiwillig geschieht.
Die Mission hat sich deshalb die Aufgabe gesetzt, die Schwarzen
zum freiwilligen Arbeiten zu erziehen. Gelegenheit dazu
findet sich auf jeder Missionsstation. Schon bei der Anlegung
von Feldern und Gärten, von Wegen und Kanälen, bei dem
Bau der ersten Häuser braucht man eingeborene Hilfskräfte.
Am Kilimandjaro waren diese anfangs nicht vorhanden. Man
mutzte indische Arbeiter verwenden, später nahm man Maurer¬
meister und Arbeiter aus dem Küstenvolke der Suaheli. Aber
das war sehr kostspielig. Und schon deshalb galt es, möglichst
bald aus den Dschagga selbst brauchbare Arbeiter heranzu¬
bilden.
Man sagt in Afrika mit Bezug auf die Schwarzen: „Drei
tun nichts und vier sehen dabei zu." Diese vielgeschäftige Un¬
tätigkeit hängt damit zusammen, daß der Neger den europäischen
Dingen zuerst verständnislos und hilflos gegenüberstehl. Er
weitz nichts vom Hebel und von Maschinen, jede Arbeit wird
durch rohe Kraftanstrengung bewältigt. Als in Madschame die
ersten Bauten in Angriff genommen werden sollten, forderte
man die Eingebornen auf, Lehm zu holen. Da kamen unge¬
fähr 60 Mann, jeder mit zwei bis drei Liter Lehm in einem
Fell oder in einer kleinen Holzmulde, und das Häuflein, das
diese Menge Leute aufschütteten, fiel lächerlich klein aus. Das
ist im Laufe der Zeit ganz anders geworden. Bei uns heißt
es nicht: erst Arbeitserziehung, dann Predigt, sondern: Er¬
ziehung zur Arbeit durch die Predigt. Bei jeder Gelegenheit,
in Gottesdienst, Unterricht und Ehristenversammlung haben
die Missionare Verständnis für den Wert der Arbeit geweckt.
Und sie sind selbst natürlich mit gutem Beispiel vorangegangen.
Mit dem Verständnis wuchs dann bei den Eingeborenen die
Freude an der Arbeit. Die Anleitung auf den Stationen und
in ihren kleineren Werkstätten allein genügte aber nicht. Man
rief deshalb in Marangu eine Handwerkerschule ins Leben, in
der die Eingebornen von einem tüchtigen Fachmann plan¬
mäßig in die Arbeit eingeführt werden sollten. Anfangs gab
es nicht geringe Schwierigkeiten zu überwinden. Der Neger
kennt keine gerade Linie. Seine Hütten sind rund, seine Wege