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schwestern denken. Ein 1902 ausgesandter Arzt starb nach
einigen Jahren. Als aber 1909 ein deutscher Arzt und zwei
Diakonissen aus dem Mutterhause Ludwigslust zur Verfügung
standen, konnte die ärztliche Mission auf eine feste Grundlage
gestellt werden. Gegenüber andersartigen Anschauungen wurde
dabei ausdrücklich betont, daß die Ausgabe des Missionsarztes
nicht darin bestehe, Heiden zu bekehren, sondern Kranke zu
heilen. Die Wirksamkeit christlicher Arzte in heidnischen Län¬
dern ist eine Talpredigt, ein Zeugnis christlicher Barmherzig¬
keit. Und je mehr sie ohne alle Nebenabsichten geschieht, desto
mehr gewinnt sie das Vertrauen der Eingebornen. Ein Jahr
vorher wurde in Leipzig ein missionsärztlicher Verein gegründet,
der im Laufe der Zeit reichliche Mittel aufgebracht hat. Die
anfänglichen Erfahrungen waren nicht sonderlich ermutigend.
Die Eingeborenen sahen in der Arznei ein Zaubermittel, das
unbedingt sofort helfen mußte. Sie kamen deshalb gewöhn¬
lich am nächsten Tage nicht wieder. Stellte der Arzt Fragen,
dann sagten sie verwundert: „Wenn du das alles nicht weißt,
wie willst du uns dann Helsen können?" Am meisten aber
erschwerten die Angehörigen die Heilung. Als einmal eine
unserer Schwestern nach kurzer Abwesenheit in die Kranken¬
stube zurückkehrte, hatten zwei Personen die Kranke in die
Höhe gehoben, so daß sie über dem Bett schwebte, und zwei
andere bemühten sich, sie kräftig zu schütteln. Dabei hatte
man sie in ihrem feuchten Umschlag der Zugluft ausgesetzt.
Die erste Forderung lautete darum: strenge Ordnung ein¬
führen! diezweite: Krankenhäuser bauen! Man errichtete
zunächst bescheidene Lehmhütten, später wurden auf zwei
Stationen kleine Krankenhäuser gebaut, und am Sitz des Arztes
entstand ein größeres aus mehreren Gebäuden bestehendes
Hospital. Den ersten Schwestern folgten bald andere, so daß
für den Kilimandjaro und Meru gesorgt war. Im Paregebirge
schuf Missionar Dannholz, der im Tübinger Institut eine medi¬
zinische Vorbildung erhalten hatte, einen kleinen missions¬
ärztlichen Mittelpunkt. Er bekämpfte auch mit großem Erfolg
die Kindersterblichkeit. Ein dankbares Feld eröffnete sich den
Schwestern in der Kinderpflege. Die Art, wie die Heiden ihre
Kinder vernachlässigen, ist grauenvoll. Zwillinge und „Zahn-