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Seitdem es christliche Familien gibt, ist oft ein Glied dem
anderen ein Gehilfe zur Seligkeit geworden. Der Familien¬
verband ist eine starke Macht bei den tieferstehenden Völkern.
Oft wurden die Herzen der Väter und Mütter zu den Kindern
bekehrt (Maleachi 4, 6 ). Am längsten hat man auf die Alten
warten müssen. Aber schließlich kamen auch sie. Und es gehört
mit zu den köstlichsten Erfahrungen, wenn unter den Tauf¬
bewerbern sich Simeon- und Hannaseelen finden, die den Tod
nicht sehen möchten, sie hätten denn zuvor den Christ des Herrn
gesehen. Bei der Aufnahme in den Taufunterricht wird den
Bewerbern gesagt: „Macht euch keinerlei Hoffnung auf irdischen
Vorteil. Bedenkt die Forderungen, die an Christen gestellt
werden. Wenn ihr die Taufe begehrt, müßt ihr lebendige
Glieder der Gemeinde Gottes werden". Der Unterricht dauert
so lange — meist ^4 Jahr —, daß eine Sichtung recht wohl
möglich ist. Zu keiner Zeit war mit der Taufe ein äußerer
Gewinn verbunden, dagegen halten die Taufbewerber nicht
selten ernste Kämpfe mit den Ihrigen zu bestehen. Und das
ist nicht zu verwundern. Wird doch durch den Übertritt der
Ring der Familiengemeinschaft gesprengt. Die Familienopfer
gelten als unwirksam, wenn ein Glied in der Kette fehlt.
Auch jetzt noch, nach mehr als 20 jähriger Missionsarbeit, haben
manche geradezu Verfolgungszeiten durchzumachen, wenn sie
sich zum Lhristwerden entschließen. Sie werden beschimpft,
geschlagen, verjagt, der Felder beraubt, mit dem Fluchtopf
verflucht, den Geistern übergeben und mit allen Künsten der
Überredung zum Rücktritt verleitet. Und das nicht nur in
Landschaften, wo das Christentum etwas Neues ist; auch auf
älteren Stationen kommt es vor. Aber es ist gut so, denn
wenn die Entscheidung einen wirklichen Wert haben soll, dann
muß es durch Kreuz und Trübsal gehen. Sonst stellen sich
Massenübertritte ein, die noch niemals dem Christentum einen
Gewinn gebracht haben. Ost sind es gerade die charakter¬
vollsten Heiden, die sich gegen die Taufbewerber so scharf
wenden. Sie fürchten von der Ausbreitung des Christentums
eine Zersetzung der väterlichen Religion und Sitte. „Was
soll in Zukunft mit unserer Religion werden, wenn schon
unsere Kinder kein Verständnis für sie haben?" fragten besorgt