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die Alten in Wudee, als immer mehr Kinder sich zum Schul¬
unterricht einfanden.
Die Namen derer, die sich melden, werden im öffentlichen
Gottesdienste mitgeteilt, damit Hie Gemeinde sie kennt, für
sie betet und über sie wacht. Die Tauffeiern, zu denen sich
jetzt auch Christen aus den Nachbargemeinden einzusinden
pflegen, haben bei aller Schlichtheit etwas Erhebendes. Sie
sind die hohen Zeiten der Missionsarbeit. Auf die anwesenden
Heiden machen sie einen so tiefen Eindruck, daß sich in der Regel
unmittelbar danach neue Taufbewerber melden. Abends
ziehen die Christen vor die Hütten der Neugetauften und singen
Lied um Lied zum Preise Gottes. Damit es den jungen Christen
recht zum Bewußtsein kommt, daß mit der Taufe ein neues
Leben beginnt, erhalten sie einen neuen Namen, wie das schon
in der alten Kirche Sitte war. Sie dürfen ihn sich selber wählen,
doch liegt die letzte Entscheidung beim Missionar. Der Neger
hat bekanntlich eine Vorliebe für sonderbare Namen. Wenn
ein Taufbewerber „Diogenes" heißen möchte, so kann das
natürlich nicht erlaubt werden. Biblische Namen werden nicht
gewehrt, doch ist auch hier eine gewisse Vorsicht am Platze.
Als einmal in Mamba drei Kinder getauft wurden, nannten
die Paten Namen, die dem jungen Missionar gänzlich fremd
waren: Sedraki, Mesaki und Abedinego. Gemeint waren
die Namen der drei Männer im feurigen Ofen Sadrach, Mesach
und Abednego. Am liebsten sieht man es, wenn sie sich Namen
aus ihrer eigenen Sprache beilegen, die eine tiefere Bedeutung
zulassen, z. B. Ndesario (Mir ist Erbarmung widerfahren)
oder Ngilekiro (Ich bin erlöst).
Uber die erste Taufe am Kilimandjaro, am 30. Januar
1898, haben wir eine kurze Aufzeichnung von unserem schwarzen
Lehrer Johane, der selbst einer der Täuflinge war. „Als wir
uns zur Taufe meldeten, sahen die Leute in Moschi auf uns>
als seien wir Räuber, fluchten und lachten über uns. Aber wir
hatten große Freude in der Seele. Ich kenne nichts, was der
damaligen Freude gleichkäme. Bei der Taufe war der Häupt¬
ling mit seinem Kriegergefolge anwesend, auch einigeFrauen.
Die Frauen weinten heimlich — ich habe es gesehen. Sie
glaubten, daß wir verloren gingen. Auch erwogen sie sehr,