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wie wir jetzt alles hinter uns ließen und daß wir viel geplagt
werden würden, wenn die Europäer wieder weggingen." Es
ist der entscheidendste Augenblick im Leben eines Heiden, wenn
er sich zur Taufe meldet. Missionar Müller schreibt einmal
darüber: „Das Erhebendste war mir immer die Erfahrung, daß
es manchem zuweilen ein volles Jahr vorher, ehe er noch ein
Wort fallen lieh, anzumerken und anzufühlen war, daß er bei
den nächsten Katechumenen sein wollte. Eifriger und eifriger
wurde er im Besuch der Gottesdienste. Er suchte auch Lesen
und Schreiben zu lernen und setzte sich mit achtjährigen Jungen
auf eine Schulbank. Schließlich gab es keine irgendwie geartete
Veranstaltung der Mission, die er nicht für seine Vorbereitung
nutzbar gemacht hätte. Wie mancher nahm sich in straffe Selbst¬
zucht." Diese Leute suchten ihre angeborene Bequemlichkeit
zu überwinden und wurden willig zur Arbeit, sie wünschten
auf der Station zu wohnen oder versprachen aus freien Stücken,
keine zweite oder dritte Frau zu heiraten. Bei tiefer ange¬
legten Naturen kommen jedoch die schwersten Zeiten innerer
Anfechtung erst nach der Taufe, in dem Maße, als die Erkenntnis
wächst. In ergreifender Weise schildert Johane seinen Zu¬
stand unmittelbar nach der Taufe. „Gut, ich wurde getauft.
Aber dann ging jene Freude verloren. Wie? Die Seele
brachte andere, sehr schlechte Gedanken: Vielleicht sind das
alles Geschichten der alten Europäer. Vielleicht ist Jesus
wahrhaftig, vielleicht ist er erlogen. Ein Jahr lang war ich wie
tot. Ständig war mein Gebet: Du Gott, der du bist der wahr¬
haftige Gott, gib mir Glauben! Oft betete ich so, ohne daß
ich Erhörung sah. Ach, wo sollte ich hingehen? Ins Gebet
nur! Und dann erfüllte die Freude wieder meine Seele, aber
nicht weiß ich den Tag, an dem sie wiederkam. Und ich habe
sie heute noch. Aber ich weiß nicht, wie es morgen sein wird.
Ich sage täglich zu Gott: Ich bin arm, laß mich nicht allein,
Herr!"
Die Gemeinden.
Seit der ersten Tauffeier im Jahre 1898 sind unsere Ge¬
meinden um ein Beträchtliches gewachsen. Am Ende des
ersten Jahrzehnts betrug die Seelenzahl 254, nach einem wei-