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allem der Gewehrträger fehlt immer, wenn er am nötigsten
gebraucht wird. Die Gleichgültigkeit und Unbotmätzigkeit der
Eingebornen fallen dem an rasches Handeln und straffe Zucht
gewöhnten Europäer auf die Nerven. Das alles trägt dazu
bei, daß eine Karawane sich nur äußerst langsam vorwärts
bewegt. Unter vielen Mühen geht die Reise von einem Lager¬
platz zum andern. Meist wird in den kühleren Morgenstunden
gewandert und, wenn die Sonne hoch steht, gerastet. Da immer
wieder einige Träger entlaufen oder sich krank melden, macht
sich wiederholt ein Anwerben neuer Träger nötig. Besonders
schwer ist es, die Leute weiterzubringen, wenn ihnen ein Rast¬
ort gefällt. Endlich, endlich taucht in der Ferne am Horizont
der gewaltige Gebirgsstock des Kilimandjaro mit seinen zwei
Gipfeln, dem schneebedeckten Kibo im Westen und dem
zackigen Mawensi im Osten, auf. Und sofort ist alle Müdig¬
keit verflogen. Mit neubelebter Kraft geht es dem nahen Ziel
entgegen. Nach einem dreitägigen Aufenthalt auf der eng¬
lischen Missionsstation Taveta wird die letzte Strecke bis Moschi
zurückgelegt.
Der Kilimandjaro.
Es ist ein unvergeßlicher Augenblick, wenn die schwarzen
Träger dem Fremdling unter lebhaften Handbewegungen zu-
rufen: „Eh bwana, Kilimandjaro!" Aus einer weitgedehnten bis
zu 800 Meter ansteigenden, mit Gras, Busch und Bäumen be¬
deckten Steppe erhebt sich das wuchtigeMassiv des Kilimandjaro,
des dritthöchsten Berges der Erde. Ein Zeuge uralter, ungeheurer
Bodenerschütterungen, die das Landschaftsbild formten und
zuerst den Ostgipfel Mawensi, später den Kibo aufschütteten.
1889 erstieg der Leipziger Geograph Prof. vr. Hans Meyer
als erster den Kibo und stellte seine Höhe auf 6010 m fest. Ur¬
sprünglich soll er noch höher gewesen sein. Aber mancherlei
zerstörende Kräfte haben ihn immer mehr abgetragen. Eine
Decke von ewigem Eis und Schnee, die bis 3700 m herabreicht,
bedeckt den Kibo und läßt seine schimmernde Fläche in wunder¬
bar herrlichen Farben aufleuchten, wenn die Tropensonne mit
ihrem Hellen Glanze sie überflutet. Durch den Stand der Sonne
oder den Flug der Wolken wird eine ganze Farbenskala hervor-