in Leipzig, der Hauptstadt des Königreichs Sachsen wären unter 7676 Israeliten bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 3010 (1539 Männer und 1471 Frauen) Österreicher und 117 Ungarn, im Jahre 1900 waren 1774 Israeliten aus Österreich und Ungarn.

Kapitel V.

Taufbewegung in Österreich.

Ober die Austritte aus dem Judentum in der ganzen österreichischen Monarchie sind keine Angaben vorhanden. Von einigen österreichischen Städten werden jedoch Daten über die Konfessionsänderungen mitgeteilt, auf Grund deren wir den gesamten Umfang der Austritte abschätzen können. Der Religions­wechsel vollzieht sich auf Grund des Staatsgrundgesetzes über die Religions­freiheit vom 25. Mai 1868, nach welchemjedermann ohne Unterschied des Geschlechtes nach vollendetem 14. Lebensjahre die freie Wahl des Religions­bekenntnisses nach seiner eigenen Überzeugung hat und in dieser freien Wahl nötigenfalls von der Behörde zu schützen ist.Damit jedoch der Austritt aus einer Kirche oder Religionsgenossenschaft seine gesetzliche Wirkung habe, muß der Austretende denselben der politischen Behörde melden, welche dem Vor­steher oder Seelsorger der verlassenen Kirche oder Religionsgenossenschaft die Anzeige übermittelt. Den Eintritt in die neuerwählte Kirche etc. muß der Eintretende dem betreffenden Vorsteher oder Seelsorger persönlich erklären.Im Falle eines Religionswechsels eines oder beider Elternteile bezw. der unehelichen Mutter sind die vorhandenen Kinder, welche das siebente Lebensjahr noch nicht vollendet haben, inbetreff des Religions­bekenntnisses ohne Rücksicht auf einen vor dem Religionswechsel der Eltern abgeschlossenen Vertrag so zu behandeln, als wären sie erst nach dem Religionswechsel der Eltern geboren worden. Somit vollzieht sich der Austritt der Kinder unter 7 Jahren ipso iure zugleich mit der Konfessionsänderung der Eltern und braucht nicht besonders der politischen Behörde gemeldet zu werden. Die Konfession der Kinder zwischen dem 7. und 14. Lebensjahre kann nicht geändert werden.

a) Austritte und Übertritte in Wien.

Von größter Wichtigkeit für die Behandlung des Taufproblems ist es, daß für W i e n , den Zentralherd der jüdischen Taufbewegung in Österreich die Austritte sich bis zum Jahre 1868 zurückverfolgen lassen, wie sie Tabelle XLIII vergegenwärtigt.

Eine ganz seltene Erscheinung im Anfang dieses Zeitraumes, ist sie nach 32 Jahren zur Jahrhundertwende um das Achtzigfache gestiegen. In dem ganzen Zeiträume von 36 Jahren hat das Judentum in Wien zusammen mindestens 9085 Mitglieder verloren. Die höchsten Anschwellungspunkte erscheinen in den Jahren 1883, 1893 und 1900. Mit ganz geringen Ausnahmen