- 112

Kapitel VIII.

BerufsverMltnisse.

Die Berufsgliederung der jüdischen Bevölkerung nach den Ergebnissen der Berufszählung vom 31. Dezember 1900 behandelt der Band LXVI der öster­reichischen Statistik*). Werden die 30 Berufsgruppen, in die die österreichische Statistik die Bevölkerung einteilt, zu vier Hauptberufsklassen zusammengefaßt, so erhält man die in Tabelle LXXVII gegebenen Ziffern. (Es sei hier bemerkt, daß die österreichische Statistik unter denBerufszugehörigen eines Berufs nicht nur die in diesem Berufe Tätigen, sondern auch deren berufslose Angehörige versteht.) Aus Tabelle LXXVI ergibt sich, daß die jüdische Bevölkerung zu fast 8 / t Teilen dem Handel und Industrie, zu V 4 der Land- und Forstwirtschaft an­gehört, daß sie, die nur V100 aller in der Landwirtschaft Tätigen ausmacht, V« aller Handeltreibenden, V 20 aller in der Industrie Beschäftigten und etwa 7i« der in den freien Berufen und in öffentlichen Diensten Stehenden umfaßt. Von je 1000 Juden gehören 437 (gegenüber 83 bei den Christen) dem Handel und Verkehr, dagegen nur 114 (gegenüber 544 bei den Christen) der Landwirtschaft an.

Tabelle LXXVI.

Es sind Berufszugehörige zu

Christen

Juden

Von je 1000 Berufs­zugehörigen dieser Berufsklasse sind

Von je 1000

Christ, sind

berufs­

zugehörig

Von je 1000

Juden sind

berufs­

zugehörig

Christen

Juden

Land- und Forstwirtschaft. .

13568793

139810

990

10

544

114

Industrie.

6649714

351212

950

50

268

287

Handel und Verkehr ....

2067762

535247

794

205

83

437

Oeffentlicher Dienst und freie Berufe.

2630884

198442

929

70

105

162

Im ganzen

24917153

1224711

1000 I

1000

Die in der Landwirtschaft berufstätigen Juden leben zum allergrößten Teil (53495 unter 57004 in ganz Österreich gezählten in der Landwirtschaft berufstätigen Juden) in Galizien und der Bukowina. Ein dettailliertes Bild ge- gewährt Tabelle LXXVII, welche die Verhältnisse in den 30 Hauptberufsgruppen darstellt. Wie diese Tabelle ausweist, liegen bei den Juden die Verhältnisse in den einzelnen Gruppen sehr verschieden. Die landwirtschaftlichen und auch die meisten industriellen Berufe sind von den Juden unternormal besetzt. Stark vertreten sind sie dagegen in der Nahrungsmittel-, in der Getränke- und Genuß­mittel-, Beherbergungs- und Erquickungsbranche, sowie in der Bekleidungsindustrie (Gruppe XV, XVI und XVII). Das stärkste Kontingent stellen sie zur Gruppe XXIII (Sonstige Handels- und Verkehrsgewerbe). In dieser Gruppe, zu der ins­besondere die Handelsagenten gehören, sind 42 °/ 0 aller hierhergehörigen Personen Juden. Im Warenhandel (Gruppe XIX) sind über V», im Geld- und Kredithandel fast Vs der Berufszugehörigen mosaischer Konfession. Von je 1000 Juden gehören 281 dem Warenhandel an.

*) Nachfolgende Darstellung beruht im Wesentlichen auf einem im Augustheft 1906 der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden erschienenen, zum Telle von Dr. Rudolf Wassermann (München) verfaßten Aufsatz.