Die Juden im Sanitätsdienst.
Mit besonderer Vorliebe betätigten sich die Juden im Sanitäts- wesen und da insbesondere beim Roten Kreuz. Es ist anzuerkenneu, daß dabei manche von ihnen recht eifrig tätig waren; im allgemeinen aber darf doch wohl gesagt werden, dieser Hang der Juden hatte seine guten Gründe. Die lagen in erster Linie darin, daß sich mit dieser Betätigung für sie der Ruf der Wohltätigkeit verband, auf dessen Verbreitung sie bedacht waren. So brachte z. B. die „Hessische Post" am 27. September 1914 folgenden Bericht:
„Wiederum für Verwundete aus Sammlungen jüdischer Damen 100 Hemden schenkte Frau Apotheker Nuß bäum, was wunschgemäß hervorgehoben wird."
Ferner aber lockte die Juden auch der Umstand, daß, der Dienst in größerer Ungebundenheit ausgeübt werden Konnte, wodurch den jüdischen Sanitätern immer noch Zeit und Gelegenheit genug verblieb, ihren eigenen Geschäften nachzugehen. Davon haben sie denn auch reichlich genug Gebrauch gemacht. Endlich aber war die Mitwirkung der Luden bei der umfangreichen Liebesgabenbeschaffung des Roten Kreuzes für jene ein reiches Feld zur Entfaltung ihrer Talente, und so ist es denn nicht verwunderlich, die Juden hierbei besonders wirksam zu sehen.
Soweit Feststellungen hierüber möglich waren, ergeben sich folgende Tatsachen: Es gehörten der Militär-Inspektion der freiwilligen Krankenpflege am 1. November 1916 an:
Personal in der Etappe und den General-Gouvernements 254 Juden
Desgleichen im Heimatgebiet. 534 „
Desgleichen beim bayrischen Landeskomitee .... 155 „
Beim Sanitätstransport-Oberkommissar.43 „
In den Lazaretten Groß-Berlins waren.110 „
Bon den 943 jüdischen Personen der Militär-Inspektion der freiwilligen Krankenpflege standen 683, also 72 o/o im wehrpflichtigen Alter, von denen wiederum 138, also 20o/o kriegsverwendungsfähig waren. Solche kriegsverwendungsfähigen Sanitäter waren jedoch auch bei den Kolonnen des Roten Kreuzes tätig; in welchem Maße, das zeigt die Tatsache, daß allein bei der Sanitäts-

