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Rohlings Gewährsmann Katz.
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mosen Schachmatt diese Angabe falsch nennt, so bemerke ich, daß
Rabbi Joseph Katz in dem Werke Mazdik Sefarim ("ISÜKtHT
1879), welches eine Gegenschrift zu Rabbi Jakob Emden's Mat-
pachoth hassefarim ist, in der Abteilung Sohar sagt, daß bis zum
I. 5635 (— 1875) zweihundert und siebzig Ausgaben des Sohar
erschienen; er gibt zugleich an, wo diese Ausgaben erschienen und
wie oft an den einzelnen Orten." Also deckt Rohling seine An¬
gabe, die ich für falsch erklärt, durch eine rabbinische Autorität!
Aber richtig wird sie dadurch nicht. Als Christian Knorr
von Rosenroth, der Verfasser der Cabbala denudata, im 1.1684
den Sohar in Sulzbach drucken ließ, war dies seit der Mantuaner
editio princeps (1560) die vierte Ausgabe. Hiernach müßten
in den 191 Jahren von da bis 1875 nicht weniger als 266 Aus¬
gaben des Sohar erschienen sein. Wenn der R. Joseph Katz dies
behauptet, so ist er eben ein Windbeutel.
Ich würde aber die Selbstrechtfertigung Rohlings, da sie ja
doch nicht aus eigener Untersuchung beruht, auf sich beruhen lassen,
zumal da ich im Schachmatt diesen seinen Irrtum im Vergleich
zu anderen, um die es sich handelt, als eine Bagatelle bezeichne,
wenn uns nicht auch hier eine Eigentümlichkeit der Polemik Roh¬
lings und seines Bundesgenossen Justus entgegenträte: beide
lieben es sich auf entlegene und nicht controlirbare Quellen zu
berufen.
In dem Judenspiegel S. 95 f. führt Dr. Justus aus dem
kabbalistischen Werke Peri ez ckajim von Chajim Vital folgende
schauderhafte Stelle an:
Es steht in der hl. Schrift geschrieben: Die Weisen werden
leuchten wie des Himmels Glanz. Was meint man damit?
— Diejenigen, welche die Kraft Gottes mit Blut der Goijim
nähren — und diese sind doch die wahrhaft Weisen — werden
wie der Glanz des Himmels leuchten. Denn wiewohl uns der
Herr Tempel und Opfer genommen hat, so hat er uns doch
einen Ersatz gelassen, der die Seele noch mehr als ein Opfer
erleuchtet und heiligt: Blut der Gojim auf einem trockenen