Page
Aus? u g
aus einem Berichte über die bürgerlichen Verhältnisse
der israelitischen Glaubensgenossen in Bezug auf das in
Vollziehung, des §. 29 der Verfassungs - Urkunde §u.
erlassende Gesetz.
§ 29 der (kurhessischen)Vers.ttrk.stellt die bereits erlangten Rechte
der Israeliten unter den'Schutz der Verfassung und bestimmt, daß
ihre besonderen Verhältnisse gleichförmig für den ganzen Kurstaat
durch ein- Gesetz geordnet werden sollen. Es muste uns, muste allen
Israeliten, — muste auch, so vielen aufgeklärten und wohlwollenden
Staatsmännern wünschenswerth erscheinen, dasjenige, was dieser
Punkt in politischer Beziehung andeutet, gleich Ln der Verfassung
geordnet zu sehen. Da die Gleichheit der Rechte nicht nur durch
Meinung und Bedürfniß der Zeit geboten, sondern auch positiv (für.
die Israeliten in Althessen) schon gegeben war (Verordnung vom'
Mai 1816, Eingang, §. 1 und Schluß) —■ so dachten wir, .eine offene,
unumwundene Redaktion der betreffenden §§. würde diese-faktisch bis
auf weniges schon , vorhandene Emancipation aussprechen, und dadurch
das Beispiel unbedenklichen Vorschreitens Ln die Bahn einer groß-
artigern Legislation gegeben werden. Wir haben es zu seiner Zeit
an Schritten dieserhalb nicht fehlen lassen, wie die Akten aus-
weisen. . Bekanntlich hat auch der mit der Redaktion des Verfassungs-
Entwurfs beauftragte ständische Ausschuß auf eine solche Fassung des
§.29 der Verfassungs-Urkunde angetragen, welche keinerlei Unter¬
schied in politischen und bürgerlichen Rechten auf den Grund einer
Verschiedenheit des Religions-Verhältnisses zugelassen hätte. Die Fas¬
sung wurde von den Ständen zwar anders beliebt, jedoch die den
Israeliten zustehenden Rechte (also die Parität insofern sie vorhan¬
den., war) unter den Schutz der Verfassung gestellt, und für ihre be¬
sonders Verhältnisse gleichförmige Anordnung bestimmt. Wenn nun
auch diese Fassung es nicht ausspricht, daß die Glaubensverschieden-
1 *