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Wirkungen der Civillsatlon — Ausnahmen in Freiheit und Eigen¬
thum ohne Rachtheil des Staates und der Bürger bestehen können?
Wo jedes Eigenthum so kostbar und zugleich so beweglich ist, darf
da irgend ein Werth durch die geringere Rechtsconditron desjenigen
in dessen Besitz er ist, oder kommen kann, herabgesetzt oder verkürzt,
— wo jede Lhätigkeit produktiv seyn muß, darf da irgend eine durch
gesetzliche Schranken verkümmert oder zur Unfruchtbarkeit verurtheilt
werden? Wo die moralische Kraft der Gesellschaft, wo Meinung und
Gesinnung zu kräftigen Trägern der Gesetze erhoben werden sollen
und sich erheben, darf da in irgend einem Lheile diese moralische
Kraft geschwächt, verstimmt, gelähmt hinterlassen werden? Geld
nicht. Von diesem durch positives Recht sowohl, als durch die Er¬
wägungen politischer und administrativer Erforderlichkeit und Rath-
samkeit angegebenen Grundsätze der Gleichstellung dürfen wir dem¬
nach bei der Begutachtung dessen,, was zur gleichförmigen An¬
ordnung der besondern Verhältnisse der Israeliten in Kurhessen noth-
wendrg erscheint, mit vollem Rechte ausgehen, und die nachfolgende
spezielle Auseinandersetzung, darauf gründen.
Die Ln Folge des §.29 gleichförmig zu ordnenden besondern
Verhältnisse würden demnach unter zwei verschiedenen Gesichts¬
punkten zu betrachten seyn:
1) . dem rein politischen, dem des Verhältnisses der Israeliten
zum Staate oder als Staatsbürger und Staatsangehörige, und
2) dem ihrer eigenen Verhältnisse als besonderer Religionstheil,
nemlich des Kultus- und Schulwesens, insofern der Staat, vermöge
seines Aufsichts- und Vorsorgerechts, dabei betheiligt ist.
I.
Allgemeine staatsbürgerliche Verhältnisse.
A. Rechtlicher Boden und leitender Grundsatz.
Für diesen vordersten und wesentlichsten Theil der Aufgabe hebt
sich in Folge der verfassungsmäßigen Garantie der bereits erlangten
Rechte als Grundlage heraus: