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§.29 der Verfassungs-Urkunde gewährleistet, wobei wir zu be¬
merken haben, daß eben dieser Art. 19 der deutschen Bundesakte es
ist, auf dessen Grund die von Seiten des ehemaligen Großherzogs
von Frankfurt den Israeliten zu Frankfurt am Main gewährten
Rechte denselben als erworben betrachtet wurden, und die Intervention
der Bundesversammlung bis zur spätern vertragmäßigen Regulirung
dieses Gegenstandes motivirte.
Da nun die sud 1 angeführte Verordnung vom 14. Mai 1816
die Gleichstellung der Israeliten Ln Rechten und Pflichten mit den
christlichen Unterthanen im Grundsätze ausspricht, und nur die Mo¬
difikationen, welche man damals anbringen zu müssen glaubte, dem¬
selben wie beiläufig und temporär, als Vorbereitung zur vollen Gleich¬
stellung hinzufügt, so dürfte dieser Grundsatz auch jetzt (wo nach
läjährigem Streben unter zahlreichen Schwierigkeiten und so vieler
individuellen Bedrängniß die Wohlthat der Gleichstellung durch die
Beseitigung der theils an sich unzweckmäßigen, theils überflüßig ge¬
wordenen Hemmungen, erst recht ins Leben treten soll), vor allem
und zwar in der Ausdehnung auf alle Israeliten des Kurstaates aus¬
zusprechen, und alles, was an besonderer Bestimmung für bürger¬
liche und Rechtsverhältnisse in Bezug auf die israelitischen Staats¬
bürger gesetzlich zu verordnen noch erforderlich wäre, diesem einfachen
Prinzips als Entwickelung oder nähere Bezeichnung anzureihen, alle
frühem gesetzlichen Bestimmungen aber, mit Ausnahme derer, welche
fich unmittelbar auf Religionssachen beziehen, aufzuheben seyn.
B. Spezielle Bestimmungen.
Die Abgaben-Verhältnisse der Israeliten würden im Allge¬
meinen auf den Fuß der staatsbürgerlichen Gleichheit zu stellen, und alles,
waS auf das Verhältniß älterer Unfreiheit zurück führte, zu beseitigen
seyn. Da jene Leistungen aber meist von gleichartiger Natur und
ähnlichen Ursprungs mit denen sind, welche theils im §. 25 der Ver¬
fassungs-Urkunde beseitigt, im §. 33 aufgehoben, oder im §.34 ab¬
lösbar gemacht werden, namentlich die Beerdigungsgelder, welche'hin
und wieder, selbst noch in Niederhessen, (z. B. von den Israeliten in
einem Theile der Kreise Homberg und Fritzlar, welche einen gemein¬
schaftlichen Beerdigungsplatz zu Harhausen haben) entrichtet werden