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Abstammung und Herkunft usw.
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verblieben; höchstwahrscheinlich ist ein grosser Teil mitgezogen,
der dann das „aurelianische Dazien“ bevölkerte. Wenn man aber
bedenkt, dass sich die Juden den damals einfallenden Barbaren¬
stämmen nicht entgegenstellten, wenn man weiter bedenkt, dass
sie doch gewohnt waren, Leid zu ertragen und dass sie den Feind
nicht reizten, überdies auch die Lage anderer Länder als recht un¬
gewiss und sogar als traurig beurteilen mussten, dann darf man wohl
annehmen, dass ein ziemlich erheblicher Teil im nördlichen, dem
„trajanischen Dazien“, verblieben ist 1 ), wo er anscheinend von den
Goten, die als Verbündete kamen und mit der griechisch-römischen
Kulturwelt Handels- und kulturelle Beziehungen unterhielten, gut
behandelt wurde 2 ).
Hingegen können wir feststellen, dass Juden jenseits der
Donau im römisch-aurelianischen-Dazien unter den christlichen
Kaisern lebten; denn unter Theodosius I. (379) ergeht ein Auftrag
und Edikt an die Präfekten, den Judenverfolgungen und Eingriffen
in ihre Rechte Einhalt zu tun und die Synagogen und „Habitaculae“
derselben zu schützen 3 ). Des weiteren finden wir, dass d-er ost¬
römische Kaiser Justinian (527—565) unter den errichteten Festungen
die diesseits der Donau bei Turn-Magurele erbaute den „Judenturm“ 4 * )
benannte, was doch wohl auf den Aufenthalt von Juden daselbst
hinweist 6 ). Ebenso bezeugen auch seine drakonischen, feindseligen
Bestimmungen in seinen Gesetzessammlungen gegen die Juden ihre
Anwesenheit in seinem Reiche 6 ). Etwas später hören wir von den
Judenverfolgungen im byzantinischen Reiche unter Leo dem Isaurier,
(722), der sie vor die Alternative stellte, entweder die Taufe an-
4 ) M. Schwarzfeld, Sefer Haaikaron in Gräbers Ozar Hasafris, S. 12.
2 ) J. Wertbeimer, die Juden in Oesterreich, S. 5, über Theodoricb
d. Gr.
3 ) Codex Theodosius, XVI. S. 8, „de judeis caellicolis et Samaritanis„
bei Graetz, Gesch. d. Juden, IV. Bd. S. 854, ebenso Wertheimer, Schwarz¬
feld und Berkowitz, alle a. a. O.
4) B xai Tropyov Iva IooSaios xaXoujisvov“ nach Prokopios von
Cäsarea, de aedificiis, IV. 6. 21. in Jakob Haury’s: Procopii Caesariensis
opera omnia volum 111,2 Seite .129. Verlag Teubner, Leipzig 1913.
6 ) Schwarzfeld, a. ä. 0. S. 11—12.
6 ) vgl. auch das Verbot der Ehen zwischen Juden und Chris* en,
u. v. a. Graetz, Gesch. d. Juden V. S. 21—26.