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Abstammung und Herkunft usw.
foIgUDgen provozierte. Wir können die Steigerung der Zahl der
Juden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt an Hand von Urkunden be¬
weisen. Und schliesslich finden sie sich als ganz kompakte Massen
in geschlossenen Siedlungen. Diese Juden lagern sich nun — man
könnte sagen, wie eine Oberschicht über den eigentlichen Kern der
alten jüdischen Kolonie, deren Ursprung wir oben behandelt haben,
und den sie im Laufe der Zeit besonders infolge ihrer zahlen-
mässigen Uebermacht ganz in sich aufgehen lassen.
Wir unterscheiden hier zwei Ströme von neuer jüdischer Ein¬
wanderung, einen aus dem Westen kommend, aus Spanien, Ungarn,
Polen, Deutschland und Russland, und den anderen aus dem
Osten, der Türkei und Bulgarien.
Unter der Regierung Ludwigs I. von Ungarn (1351 — 1361)
ziehen viele Juden wegen der von ihm ausgehenden Verfolgungen
nach Oesterreich und Mähren und die aus Siebenbürgen haupt¬
sächlich nach der Walachei 1 ). Bei dieser ersten Masseneinwanderung
von Juden nach Rumänien, wurden sie gern aufgenommen und
ihnen bereitwilligst Unterkunft geboten. Radu II. (Rudolf) und
Dan I. gaben ihnen auch zwecks Belebung des Handels viele Pri¬
vilegien 2 ). Sulzer behauptet sogar, dass die Stadt und Festung
Turnul um diese Zeit und bei Gelegenheit ihrer Verbannung aus
Ungarn von den Juden angelegt worden sei und fügt hinzu, es liege
„eine durch Urkunden erweisliche Niederlage“ (= lassung) vor 2 ).
Ebenso beginnt etwas später auch das Einströmen
polnischer Juden, die im 14. Jahrhundert ziemlichen Einfluss
auf den moldauischen Handel gewannen 3 ), in die Moldau. Sie sind
schon unter Alexander dem Guten (1400—1432) in grossen Scharen,
bestimmt aber unter Stefan dem Grossen aus Polen in die Moldau
geschäftshalber wie zum dauernden Aufenthalt daselbst gekommen;
J ) Schwarzfeld, a. a. 0. S. 13; Berkowitz, a. a. 0. S. 47 nach D. J.
Bergei, Geschichte der ungarischen Juden, Leipzig 1879.
2 ) Michael Kogalniceanu, histoire de la Dacie, des Valaques
transdanuhiens et de la Valachi, Berlin 1854, S. 76 bei Schwarzfeld, a.
a. 0. S. 19.
2 ) Sulzer, a. a. 0. I. Bd. S. 368, II. Bd. § 124. S. 147—150.
s ) Nistor, a. a. 0. S. 54—55, 68—60, 72; Dr. B. Schwarzfeld, Evrei
din Moldova sub codica Calimach; Wilhelm Schmidt, Suczawas historische
Denkwürdigkeiten, S. 96; F. R.Kaindl, die Juden in der Bukowina.