Seite
13
- Eines der geringsten Gebote auflöst, wird im Himmelreiche,
der Geringste sein," (Matthäi K. S: 17 — 19.) und die
Christen fangen deshalb an, Israel mit Ehrftrrcht, mit
Dankbarkeit zu behandeln. Denn, wer, wenn er nicht mit
Blindheit oder boshaftem Neide geschlagen ist, vermag es
zu läugnen, daß Israel und Juda erkoren wurden, die
Quintessenz aller Religion und Moral, aller Philosophie
Und Wissenschaft, den Glauben an Einen Gott mit allen
den daraus hervorgehenden sittlichen Pflichten durch alle
Räume der Welt zm tragen? Wer, der nicht mit aller
Hartnäckigkeit «nd Starrsinn ein Faktum weg disputtren
will, vermag es zu läugnen, daß die Weltgeschichte ihren
Anfang mit der Bibel, d. h. mit den ursprünglich den
Hebräern zu Theil gewordenen heiligen Dokumenten Is¬
raels nimmt? Wer, ist er anders mit dem Geiste des a.
T. und dabei mit der kräftigen, wahrhaft heiligen Sprache,
in welcher dasselbe verabfaßt ist, bekannt, kan« es läugnen,
daß alle seine Sentenz den Karakter der Philosophie, der
höchsten Liebe und Gerechtigkeit und Wahrheit an der
Stirne tragen?'-^)
Dieses sah und siehet man wirklich ein, und fand keine
probehaltigen Gründe, mit welchen man die Entfesselung
Israels von feinen unnatürlichen Banden länger in die
Zukunft schieben könne. Denn, daß der Nichtgenuß deS
Schweinefleisches, die Feier des Sabbaths anstatt des
*) Man sehe den Aufsatz „der Grundzog der Liebe uud dessen
Entwickelung im Judenthume" von Rabbiner Herrn
EliaS Grünebaum im 1. u. 2. Heft des 3. Bandes von
Geigers wissenschaftlicher Zeitschrift für jüd. Theologie,
und man wird sich für seine Mühe reichlich belohnt fin¬
den, obgleich ich nicht alle darin ausgesprochene An¬
sichten deS Herrn Verfassers theile.