Fabeln - und Mlährchen

130. Salabeth.

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3)er reiche Salabeth, ein Weiser, dessen Hand Der Arme nie verschlossen fand,

Ließ, Allen wohlzuthun mit seinen großen Schätzen,

An einen Heerweg ein Gebäude setzen,

Worin er Jedermann, der diese Straße ging,

Mit Mild' und Freundlichkeit empfing.

Verherrlicht durch der Dichter Zungen,

War schon sein Lob durch ganz Arabien gedrungen.

Als Alamin es hört. Den nimmt der Ehrgeiz ein,

Den spornt die Eifersucht, dem Wesen gleich zu sein.

Wie? sprach er, sollt' ich ihm an Großmuth weichen,

Da wir uns beide doch an Reichthum gleichen?

Schnell wird ein Palast aufgeführt, wird angefüllt Mit allem, was der Pilger Durst und Hunger stillt.

Dann werden alle, die des Weges kommen,

Beschenkt und gastfrei aufgenommen.

Als Alamin einst auf dem Hofe geht,

Erscheint ein Bettelweib, das um ein Zehrgeld fleht,

Er giebt, und giebt mit Lust, und giebt mit milder Hand. Dem Weibe war der Hof bekannt;

Durch andre Wege kehrt sie zwölf Mal noch zurücke Und immer giebt er mit vergnügtem Blicke.

Zum letzten Mal nur sagt er ihr:

Mich dünkt, mein gutes Weib, ihr wart schon öfter hier? Ja, sprach sie, dreizehn Mal habt ihr mir Geld gegeben; Doch. Herr, euch kann ich nicht, ich kann R.ur unsern Salabeth erbeben,

Den sprach ich dreißig Mal um eine Wohlthat an!

Stets gab sie mir der große Mann;

Ich weiß gewiß, daß er mich kennen mußte,

Ob er c§ gleich gut zu verbergen wußte;

Nie sagt er mir ein Wort. Seid immer reich Wie Salabeth, an Großmuth seid ihr ihm nicht gleich.

Ha, Salabeth! Soll ich dir stets den Vorzug lassen? Werd' ich durch deine Schuld des Volkes Spott? Wohlan! Wenn ich in nichts dich übertreffen kann,

So übertreff' ich dich im Haß! Ja tödtlich hassen-

Nein, todten will ich ihn! Hier schwör ich dir den Tod, Weil mir dein Leben unaufhörlich Schande droht!

Er sagts, und reiset ab. In wenig Tagen Hat ihn sein rascher Gaul zum Salabeth getragen.

Er sieht ein großes Schloß; er sieht den Salabeth,

Der, unerkannt von ihm, vor seiner Thüre steht.

Gehört dies Schloß, hebt unser Reiter an,

Dem Salabeth? Ja, spricht der alte Mann;

Es pflegt kein Reisender sein Haus vorbei zu gehen; Steigt ab, ihr werdet gern gesehen!

Ihm folget Alamin, und geht an seiner Hand Ins Haus, macht jeden Ausgang sich bekannt.

Und fragt zuletzr den dienstbeflißnen Alten,

Woher, und wer er fei. Mein Herr ist Salabeth,

Spricht dieser kalt; er hat bisher mich unterhalten,

Allein noch nie mein Glück erhöht.

Ich seh; ruft Alamin, du bist hier unzufrieden.

Hör an, mein Freund! wofern du mir in einem Stück Zu dienen schwörst, so schwör ich dir: ein größer Glück Ist dir auf Lebenszeit beschieden,

Als du zu hoffen wagst. Drauf macht er ihm den Grund Der Reis' und seinen Vorsatz kund.

Wohl! spricht der Greis, ihr sollt euch rächen!

Ich schwör' es euch; doch, haltet das Versprechen!

Seht jenen Wald, der vor uns liegt,

Wo Salabeth sich alle Morgen Mit Sonnenaufgang hin verfügt!

Er ist allein; Gefahr ist gar nicht zu besorgen.

Dort tödtet ihn! Dann flieht zur rechten Hand.

Der Weg ist leer und unbekannt,

Und führt mit Sicherheit. Ihn werden Wölfe fressen; Man wird ihn suchen und vergessen.

Eh' noch das erste Roth am Horizont erscheint, Erwartet Salabeth im Walde seinen Feind.

Der kommt, är hat bereits das Schwert gezücket Und stutzt, als er den Alten hier erblicket.

Wo, fragt er, ist denn Salabeth?

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