Ms. Barth. 31
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Hufnagelnotation • Uberschriften rot; Großbuchstaben der obersten Zeile verschnörkelt und mit Filigran besetzt; Lombarden im Wechsel rot und blau; Anfangsbuchstaben einzelner Offizien mehrzeilig, blau und rot ornamental geteilt und mit Filigran, im Buch- stabenkörper grün gehöhte groteske Figuren • zu Beginn der Meßoffizien der Hochfeste im Temporale, der Marienfeste und Andreas im Sanktorale, des Ordinarium missae, ferner zu Beginn der Praefationen und des Kanons, des Commune sanctorum und des Se- quentiars mehrzellige Deckfarbeninitialen auf Goldgrund oder mehrfarbigem Polstergrund mit aus den Schäften herauswachsenden, den Text mehrseitig umgebenden Krautblattranken; Bl. 122 vb koloriertes Allianzwappen der Familien Rorbach und von Holzhausen mit Krone in der Wappenmehrung; ferner Federzeichnungen Bl. 66 r (unterer Rand) Wappen der Familie Rorbach; Bl. 139 r Helmzier mit Blättern. Einzelbeschrei- bung des Buchschmucks R. Schilling Illum. Handschriften S. 204—205 Nr. 175 • nachgedunkelter ursprünglich hellbrauner Schweinslederband des 15. Jhs. mit Streicheisen- linien und Einzelstempeln (Stempelblüte; Schriftband: Maria hilf; Mittelfeld mit Rautenranken); auf den Deckeln je 5 gegossene Messingbeschläge (je ein Stück verloren) mit Wappen oder Wappenzier der Frankfurter Familien Rorbach und von Werstadt im lilienbesetzten Rahmen, vgl. G. E. Steitz, Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst N. F. 3 (1865) 93 • 2 Langriemenschließen, bei der Restaurierung erneuert • Schnitte vergoldet • am Vorderschnitt Blattweiser aus Schafsleder.
Die Prachthandschrift stammt aus dem Besitz des Frankfurter Patriziers und Schöffen Heinrich Rorbach. Sein Familienwappen sowie das seiner Frau Guda von Werstadt findet sich im Codex (Bl. 66 r ) und eingebettet in den Beschlägen der Buchdeckel. Als Auftraggeber der Hs. hat man neben Heinrich Rorbach auch dessen Schwiegervater Ulrich von Werstadt in Betracht gezogen (G. E. Steitz); allerdings läßt die kunstgeschichtliche Einordnung für eine so frühe Niederschrift wenig Raum (s. unten). Die Hs. war vermutlich als Hausmeßbuch bestimmt. Laut eigenhändigem Vermerk Bl. 330 ra " b gab Heinrich Rorbach das Missale 1465 an seinen Sohn Bernhard weiter: Ich heinrich rorbach der eltter scheffen zu franckfurt bekennen mit dieser myner eygen hantschrifft daz ich dies myn missale von eygem willen gegeben han mym sone bernhart rorbach vnd han zu gezugenys gebetten die ersamen hern nicklas maselhart vicarium zu sant bartholomeus vnd petrum storczisen bacularium myn schriber daz sie hervnder auch ir hantschrift geschreben han anno domini 1465 a dy 14 marcii. (Heinrich Rorbach der Ältere, 1410—1474, 1448 Mitglied des Rates der Stadt Frankfurt, 1454 jüngerer Bürgermeister, Schöffe seit 1461, 1468 älterer Bürgermeister; vgl. G. E. Steitz, Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst N. F. 2, 1862, 409. Sein Sohn Bernhard, 1446—1482, 1476 Mitglied des Rates, 1477 mit Jörg von Breidenbach Zunftherr der Sattler, 1482 Kornmeister; vgl. G. E. Steitz a. a. O. 411 ff.; Stammtafel der Familie Rorbach: Quellen zur Frankfurter Geschichte 1, 1884, 434 f.). Daran von den Händen der Zeugen: Et ego Nicolaus Maselhart de Omstat Vicarius ecclesie sancti Bartholomei Protestor propria manu Quod ex peticione domicelli mei heinrici Korbachs Senioris Scabini francken- fordensis superioribus scriptis sie peractis pro vero interfuisse testimonio. Der folgende Vermerk mit ähnlichem Wortlaut: Et ego petrus stortzisen supradictis similiter protestor manu propria me ex peticione domicelli ... — ... testimonio. (Ein Nicolaus Maselhart aus Groß-Umstadt, Krs. Dieburg, seit 1450 als Organist und Musiker im Haus der Familie Rorbach nachweisbar; vgl. R. Froning Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst
