lungert in anderer , nicht ursprünglicher Folge . ( Eine Lage f . 109 ff . steht auf dem Kopf ) . Unter den
übrigen Wiederholungen ist ihr die Donaueschinger Handschrift , No . 860 besonders nahe . Sie ist
als eine schwächere , nur siebenteilige , von der Lichtenberg Hs . abhängige Fassung anzusehen . Audi
stilistisch läßt sich die Lichtenberg Hs . ins Elsaß lokalisieren . Es bestehen noch Beziehungen zur
LauberWerkstatt , vgl . die dem ( » Meister F « ) 1 ) ähnliche Felsbildung , Formung der Gesichter , die
Baumschraffuren . Danach wird man die Handschrift wohl schon um 1460 ansetzen können . Zu be¬
achten sind auch gewisse Beziehungen zu den Konstanzer Konzilshandschriften , ( etwa Konstanz , Rosgar¬
tenmuseum ) , trotz der lebhafteren Strichführung in diesen Darstellungen . Nach Oberdeutsdiland wei¬
sen die Wasserzeichen , schließlich ist außer der Donauesch . Hs . noch heute ein dritter Kodex in Südwest -
deutsdiland , die Karlsruher Hs . , Landesbibi . Durlach 11 , neben der Göttinger eine der frühesten Fas¬
sungen , aus dem Besitz des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden ( 1604f ) . Man wird zur Annahme
kommen , daß gerade in Südwestdeutschland die Handschrift sich bald verbreitet hat 2 ) . Vielleicht
sind ein Teil der Handschriften , für die , wie es scheint , der Bedarf sehr groß war , aus ähnlichem
Werkstattbetrieb hervorgegangen wie der des Diebolt Lauber .
Lichtbraune , schraffierte , mit Wasserfarben aus¬
gemalte Federzeichnungen . Die Geräte aus Holz ,
Metall und Leder haben gelblich , hellblau und
braune Farbe . Bei den figürlichen Darstellungen
ist helles Zinnober und Grün , Blau und Weinrot
verwendet . Der Boden fast stets mit Blumenstau¬
den , ist grüngelblich abgetönt . Der Himmel in
tiefem , ab schattiertem Blau . Reichere Farbigkeit
entsteht durch die Darstellung großer Burganla¬
gen mit graubraunem , sattrotem , grün und Zin¬
nober Mauerwerk , grün , rot und blauen Dächern .
Vielfach sind die Köpfe durch Ausstreichen be¬
schädigt . Auf den Burgen mehrfach die Hanauer
Fahne ( f . 59 , 84 ) .
f . 2 — 4 ’ * ( IV . Buch ) Leitern und Hebewerkzeuge :
f . 2 Papageileiter an Ledergurt . 2 ’ — 4 Mauer¬
haken mit Seilaufzug auf Rollen 3 ) ,
f . 5 * Ritter in voller Rüstung , wohl der Besteller .
Er steht und hält in der Rechten die Lanze mit
rot , weiß , roter Fahne , in der Linken das Lichten -
bergsche Wappen mit dem schwarzen Löwen
auf weißem , rot bordiertem Feld . Auf dem Kopf
trägt er den ungeflügelten Schwanenhelm der
Hanauer .
f . 6 — 12 ( I . Buch ) Planetenbilder . Von der Seite ge¬
sehen , reiten die Ritter in reicher Kleidung auf
einem in gleicher Farbe mit Decken und Federn
gezäumtem Pferd , in der Hand die Lanze mit
wallender Sternenfahne : Saturn ( schwarz ) , f . 7
Jupiter ( grün ) , f . 8 Mars ( zinnober ) , f . 9 Sol
( gelb ) , f . 10 Venus mit Kranz im hellen Llaar
( tiefblau ) , f . 11 Merkur ( dunkelweinrot ) , f . 12
Luna . Sie reitet in braunrosa Gewand auf einem
Apfelschimmel innerhalb eines blaugrundierten
Kreises mit Mondsichel .
f . 13 — 58 ( IV . Buch ) Streit - und Sturmwagen , f . 13
Sturmbrücke , f . 14 , 16 , 18 — 20 * * , 22 , 24 Streitwa¬
gen , teilweise mit besonderer Decke ,
f . 15 , 21 , 23 * Sturmböcke , f . 17 Ebenhöhe . f . 27
Mönchskappe , f . 26 , 32 * , 34 Brechhammer , f . 28
Schleudermaschine , f . 29 , 30 , 43 Schutz - und An¬
griffschilde . f . 31 * Nürnberger Schere , f . 35 Aufzug ,
f . 36 , 38 * , 40 , 57 Sichelwagen , von Soldaten ge¬
hoben . [ Tafel LXXId ] f . 25 , 37 , 39 , 47 , 51 , 53 , 54 , 55 ,
58 , 73 , 80 drei - und vierkantige Sturmwagen mit
Sicheln , Lanzen und Schußvorrichtungen , teilweise
drehbar , f . 41 Große Blide ( Schleudermaschine ) .
f . 42 Der Graf steht mit der Lanze vor einem
Standschild , das sein Wappen trägt . [ Tafel
LXXIc )
f . 45 Pferdebespannter Kriegswagen mit vielen
Soldaten , f . 46 * Katzbaum . f . 52 Gewappnet
Haupt , f . 53 Wagenburg mit vielen Soldaten , f . 55
Sturmwagen mit drehbarem , lanzenbesetztem
Schild , von 2 Soldaten bedient , f . 56 Krebs mit
langen Spitzen nach beiden Seiten , f . 67 Sturm¬
wagen als eisernes Tier mit spitzem Stoßzahn
( cattus grandis ) .
f . 47 Vier Windengel , die aus Wolken abwärts
gerichtet erscheinen .
f . 48 Ein Jüngling reitet in grüner Zaddeltracht
mit grüner Fahne auf einem Apfelschimmel ,
f . 50 Zweikampf . Der Gegner wird durch die
Sonnenspiegelung im Schild geblendet ,
f . 59 * Brotversorgung . Von einer Burg mit hohen
Mauern und Türmen schleudern die Belagerten
Steine auf die Belagerer . Rechts ein Bäcker beim
Einschieben der Brote ( ? ) .
f . 60 * Belagerer vor einer Burg . Rechts ihre Zelte .
1 ) Wegener , Deutsche Hss . in Heidelberg . Pal . germ . 300 .
2 ) Eine Zusammenstellung der Hss . bei Jahns und bei Feldbaus . Vgl . auch die Fotograf . Sammlung des Instituts für Technik und Industrie ,
Berlin - Dahlem . Die zeitlichen Bestimmungen bedürfen der Nachprüfung . Hinzuzufügen ist eine wohl vor der Lichtenberg Hs . entstan¬
dene Fassung , früher Schloß Hollwinkel in Westfalen . Vgl . Ludorff , Kunstdenkmäler in Westfalen . Kreis Lübbecke . Münster 1907 . Abb .
S . I , 1 , 8 fl . Für die Datierung der Lichtenberg Hs . in die 60er Jahre spricht auch das Kostümliche .
3 ) Die mit * versehenen Darstellungen nicht in der Göttinger Hs . Buchbezeichnungen nach der Gött . Hs .
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