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MISSALE CUM CALENDARIO.
Tafel LXXII
Stadtbibliothek, Batt. 116. Aus dem Bartholomäusstift.
Lateinisch, Quart. Gegen Mitte des XY. Jahrhunderts, Mittelrheinisch. [174]
ra. 260 f., 195 f. altgezählt vom Beginn des Missaltextes bis zu den Sequenzen. 257:187. Text in Minus¬
kel zu 19 Zeilen auf 2 Spalten. Rote Ueberschriften, rot und blaue Anfangsbuchstaben, teilweise mit
Schnörkelwerk. 1 Miniatur. Einband der Zeit: Schweinsleder auf Holz mit 2 Riemenschließen. Ge¬
flochtene Blatt weiser. Beigelegt ein Papierblatt mit Register der Offizien.
Mittelrheinische Arbeit aus der Zeit um 1450 — 60. Schon von Donner von Richter ist auf die enge Be¬
ziehung zu einem Gemälde aus der Frankfurter Waisenhauskapelle, jetzt Leihgabe des Städelschen
Kunstinstitutes (H. M. 45) 1 ) hingewiesen worden. Thode ordnete die beiden Darstellungen in den
mittelrheinischen Zusammenhang ein. Vergleichbar sind auch die analogen Kölner Darstellungen in der
Dombibliothek, dem Priesterseminar und in der Darmst. Biblioth. Der Kalender der Mainzer Diöcese,
bereichert mit Namen verschiedener Gegenden, weist durch die besondere Hervorhebung Karoli magni
und die Erwähnung der translatio Bortholomei auf den Frankf. Dom. Analog ist der Text. Zu beachten
auch der Besitzvermerk f. I.
f. I Iste liber pertinet ad ecclesiam sci Bartholomei
fr anck fur densem (Schrift des XV. Jahrhunderts),
f. 1—6’ Kalender: 7. I. Ysidori, 8. I. Erhardi, 28.1.
Karoli magni, 31. I. Geminiani, 4. II. Gelasij, 4.
III. Adriani, 15. III. Matrone, 20. III. Gumperti,
24. III. Pigmenii, 2. IV. Theodosie, 23. IV. Georgii,
4. V. de spinea corona, 5. V. Gothardi, 12. V. Nerei
et Achillei, 20. V. Dominici, 5 Nl.Bonifacij, 12. VI.
Basilidis, 13. VI. Felicule, 15. VI. Viti, Modesti,
16. VI. Aurei et Justine, 17. VI. translatio sci Bar-
tholomei, 21. VI. Albani, 4. VII. translatio sci Mar¬
tini, 8. VII. Kyliani, 20. VII. Arbogasti, 8. VIII.
Cyriaci, 11. X. Burchardi, 12. XI. Cuniberti, 16.
XI. Galli, Lulli, 27, XE Bilhildis, 22. XII. Theodosie.
f. 7 Proprium de tempore. (Ad te levavi) Init. A
mit fleuronneeartigen Blattfüllungen. In den blau
und roten Schäften ausgespart groteske Figuren
mit menschlichen Köpfen, hell ocker und rot ge¬
höht. Am Rand der Schäfte Fratzenköpfe,
f. 26 (In die sco. Introitus) Init. P, vgl. f. 7.
f. 81’—82 leer.
f. 85’ (Praefationes, ordo missae. In nativitate dni)
Init. P.
f. 90’—91 leer. Am oberen Rand Eintrag: locus
Crucifixi.
f. 91’ Kreuzigung. Den Kopf auf die rechte Schul¬
ter geneigt, hängt Christus mit stark ausgeboge¬
nem Körper am Kreuz. Zur Linken steht Maria,
sie hat das Haupt gesenkt, die Hände aneinander¬
gelegt. Johannes zur Rechten erhebt die Hand und
blickt zum Kreuz empor. Sein gegürtetes Gewand
ist rosa mit dunklerer Strichschattung. Grün der
Kragen und das Buch, das er im Arm hält. Rosa
auch das von tiefblauem Mantel verdeckte Kleid
der Maria. Rosa Karnat mit grauen und grün¬
lichen Schatten. Das Kreuz braun mit dunkler
Maserung. Am grün bewachsenen Boden liegt Ge¬
bein. Goldgrund mit Pinselstrichen gemustert, die
auch die Nimben bezeichnen. Schmaler, roter Rah¬
men, umfaßt von gefiedertem Strichornament.
Unter dem Bild blau gerahmte Goldkreisfläche.
(Bild 174:120) [Taf. LXXII]
f. 91—136 Proprium de sanctis (de sco Johanne
bapt. — de sco Karolo).
f. 92 (Te igitur) Init. T mit grotesken Tieren,
f. 105 (In die sco Pasche: Resurrexi) Init. R mit
Tieren.
f. 136 ff. Commune sanctorum.
f. 153, 164 (Officia de sco Nicolao, de sco Karolo
magno . . .) .
f. 226 ff. (Sequentia) Init. G. f. 247 de sco Karolo.
f. 253 ff. leer.
Literatur: Hüsgen, Artist. Magazin. S. 545.
Donner v. Richter, Berichte des fr. deutschen
Hochstifts. N. F. XII. 1896. S. 154 ff.
H. Thode, Der Meister des Frankfurter Kruzi¬
fixes. Jahrb. d. Preuß. Kunstsamml. Bd. 21. 1900.
S. 113 ff.
Katalog der ständ. Ausstellung No. 40.
i) Dort, auf die 2. Hälfte des XV. Jahrh. bestimmt. Bild und Miniatur, beide noch mit Resten des weichen Stils, sicher früher auch als
das aus dem gleichen Kunstkreis hervorgegangene Kruzifix der Handschrift des Liebfrauenstifts von 1467. Vgl. Kat. No. 186.