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LIBER CENSUUM.
Stadtarchiv, Barthol. III. 14 . Aus dem Bartholomäusstift.
Lateinisch und Deutsch, Folio. Seit 1462 , Frankfurt. [ 183 ]
cli. In den meisten Lagen sind einzelne Pergamentblätter eingelassen. 202 f., altgezählt. Vorausgeht
eine Lage von 10 Blättern. Wasserzeichen: Buchstabe P, wohl Briquet 8591 (Colmar, Offenburg etc.
1452—65) und P ähnlich Br. 8561. Text in Kursive von wechselnder Zeilenzahl. Mehrere Hände.
1 Miniatur. Rotbrauner Lederband der Zeit mit Buckeln und einer Schließe (unvollständig). Im Vor¬
derdeckel Notariatsinstrument von 1434, im Rückdeckel Urkunde, das Bartholomäusstift betreffend,
von 1425.
Frankfurter Arbeit aus der Zeit um 1462. Der Typus der Gestalten charakteristisch mittelrheinisch.
f. I Eintrag: Register huius libri. Dann: praesens
liber conscriptus est sub anno 1462. Darunter
von einer späteren Hand: hic liber scriptus est
per D. Joanem Koenigstein Decanum anno 1462.
f. II—X Abschriften der Statuten des Bartholo¬
mäusstiftes, des Eides der Kanoniker und an¬
derer auf die innere Verwaltung bezüglicher
Briefe.
f. XI (Pergament) S. Bartholomäus und Ka¬
rolus. In einer gotischen Nischenarchitektur
stehen die beiden Patrone des Doms einander zu¬
gekehrt. Bartholomäus in weinrotem Gewand mit
blau gefüttertem, hellviolettem Mantel, in der
Rechten das Buch, in der Linken das erhobene
Schwert. Ueber dem Arm hat er seine Haut mit
dem Kopf hängen. Der Kaiser trägt modische
Kleidung mit enganliegenden, tiefgegürteten,
weinroten Hosen und hermelingefüttertem,
blauem Mantel. Auf dem Haupt hat er die Kaiser¬
krone, in der Linken hält er das Szepter, in der
Rechten das Kirchenmodell. Die Architektur
zeigt zwei kielbogige Säulenarkaden mit je zwei
Fensteröffnungen und Sterngewölben. Der Boden
ruht auf einer Konsole mit Mittelknauf. Fenster¬
durchbrochene Rückwand mit Zinnen. Die Ar¬
chitektur rot gehöht, die Fensteröffnungen ab¬
getönt blau. Die Zeichnung ohne Schraffuren mit
ausgesparten Lichtern. (233:143)
f. 11 ff. Einnahmeregister des Kapitels mit zu¬
gehörigen Aktenstücken und Notizen und Nach¬
trägen bis um 1588.
Literatur: Carl Wolff, Der Kaiser dom. Frank¬
furt 1892. Färb. Abb.
KYESER YON EICHSTÄTTS KRIEGSBUCH: BELLIFORTIS. Tafel LXX, LXXI
Stadtbibliothek, o. N.
Folio. Um 1460 — 80 , Elsässisch. [ 184 ]
ch. 190 f. 296:121. Wasserzeichen: Buchst. P, Briquet 8591 (Colmar 1452, Offenburg 1460, Basel 1456
bis 1465 . . .). Ohne Schrift, mit 189 ganzseitigen Illustrationen. Hellroter Lederband des XV. Jahrh.
(beschädigt) mit Bandecken und kurzen, unvollständigen Schließen. In den Deckeln 2 Blätter einer
liturgischen Hs. des XII. Jahrh. mit Neumen.
Llsässische Arbeit um 1460 — 80. Die Handschrift, die das Wappen der Grafen von Lichtenberg, Helm
und Fahne der Grafen von Hanau zeigt, ist wohl für Philipp von Hanau geschrieben, der 1459 Anna
von Lichtenberg heiratete und 1480 einen Teil der Grafschaft Lichtenberg erbte. Sie gehört in die
Reihe der Kyeserschen Kriegsbücher, als deren früheste erhaltene die Fassung des Göttinger Kodex,
Univ. Biblioth. No. 63 1 ) anzusehen ist. Wie diese Hs. hat sie 10 Teile, doch erscheinen ihre Darstel-
9 Die Göttinger Bibi, besitzt die Fotografieen aller Darstellungen der Hs. Die Darstellungen der Frankfurter Hs. sind bis auf wenige Aus¬
nahmen in der um 2 Generationen früheren Göttinger Hs. enthalten. Von diesen fehlenden finden sich dann einige bereits in der Karls¬
ruher Hs., so Frkf. f. 60 (Karls, f. 50), 169(60), 165(118). Auch in der Reihenfolge der Darstellungen sind die Unterschiede bei der Karlsruher
Hs. geringer als bei der Göttinger, so daß man annehmen kann, daß sich die Gruppierung mit der Zeit verschoben hat. Die auch in der
Karlsruher Hs. fehlende Darstellung der Königin mit den drei Jünglingen, Frkf. f. 184 findet sich in vereinfachter Form als Königin von
Saba in der späten Weimarer Fassung.
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