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Um nun weiter in der Beschreibung des Kopfes fortzufahren, fällt uns die
sehr sorgsame Behandlung der Details, Nase, Ohren, Mund (mit spitzen Holz¬
zähnen versehen), Augen und namentlich auch der Narben-Tättowirung auf. Die
Gesichtshaut ist roth gefärbt, die Narben-Tättowirungen sind schwarz gehalten.
Schwarz wurde auch die eigenthümliche Haar-Frisur angedeutet. Die Augen sind
silbergrau gefärbt (durch eine Art Zinn oder Stanniol-Auf läge), während die Pupille
ein schwarzes Stück Holz andeutet. An der einen Seite des Schädels hängt als
besondere Haartracht noch ein etwa 3 dem langer Zopf aus geflochtenen Haarsträhnen
hinter dem Ohr herunter. Das Material dazu ist Menschenhaar. Es soll nun auch
ähnliche Köpfe geben, in denen das Haar direct einzeln eingesetzt ist.
Als Maske hat nun das vorliegende Stück nicht gedient. Wir kennen ähnliche
Holz-Masken aus diesen Gegenden in Kamerun, die im Fetisch-Dienst gebraucht
werden. Sie sind aber natürlich weit grösser, so dass sie sich über den Kopf
stülpen lassen. Sie haben Mund- und Augen-Oeffnungen, und giebt es solche mit
einem, zwei, ja sogar vier Gesichtern. Unser hiesiges Museum befindet sich im
Besitze solcher Holz-Masken, wie auch dem hier Gezeigten ähnlicher Köpfe aus be¬
nachbarten Gegenden.
Der vorgelegte Kopf zeigt aber noch etwas Bemerkenswerthes. Es befindet
sich ein geflochtener Rand am Halsende befestigt, der jedenfalls wohl dazu an¬
gebracht ist, dass das Stück auf einer Fläche fester stehen kann und nicht erst auf
einen Pfahl oder spitzen Gegenstand aufgesetzt zu werden braucht. Diese Köpfe
werden nehmlich im Fetisch-Haus auf bewahrt. Welcher Cultus dort mit ihnen ge¬
trieben wird, was sie im Besonderen zu bedeuten haben, darüber wissen wir leider
noch nichts. Aber dieser geflochtene Rand am Ende ist sogar nachgebildet bei
den älteren bronzenen Benin-Köpfen. Es zeigt dies, wie auch so manches Andere,
die Verwandtschaft oder den Zusammenhang mit Benin, vielleicht auch, dass die
Herstellung von Holz-Köpfen älter, als die Anfertigung in Bronze gewesen ist. Auch
in Benin sollen alte Holz-Köpfe gewesen sein und auch dort wurden die Köpfe im
Fetisch-Dienst oder an Fetisch-Plätzen zu Cultus-Zwecken aufgestellt. Die Haltbarkeit
eines solchen Holz-Kopfes ist natürlich sehr beschränkt gegenüber denen aus Bronze.
Noch eines möchte ich wegen der Tättowirung erwähnen. Einer meiner Be¬
kannten, der sehr lange am oberen Congo gelebt hatte, sah zufälliger Weise das
Stück bei mir und sprach es gleich darauf als Repräsentant eines Congo-Stammes
an. Es ist dies ein neuer Beweis, wie gleichartig die Tättowirung bei weit aus¬
einander wohnenden Völkerschaften in Africa ist.
Da das Stück in der Technik und Ausführung, sowie in anderer Hinsicht sehr
interessant ist, glaubte ich, es Ihnen doch vorlegen zu sollen. —